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12.04.2016

13:34 Uhr

Medizin

Zika tötet bevorzugt Stammzellen im Gehirn

VonLars Fischer
Quelle:Spektrum.de

Das Zika-Virus steht im Verdacht, Schädelfehlbildungen bei Babys zu verursachen. Ein eindeutiger Beweis dafür steht jedoch noch aus. Jetzt haben brasilianische Forscher den Verdacht aber wesentlich erhärten können.

Das Zika-Virus unter dem Mikroskop. Der Erreger steht im Verdacht, Schädelfehlbildungen bei Babys zu verursachen. dpa

Zika-Virus

Das Zika-Virus unter dem Mikroskop. Der Erreger steht im Verdacht, Schädelfehlbildungen bei Babys zu verursachen.

HeidelbergSeit geraumer Zeit besteht der Verdacht, dass der aktuelle regionale Ausbruch des Zika-Virus in Südamerika mit höheren Fallzahlen von Schädelfehlbildungen bei Babys, sogenannter Mikrozephalie, zusammenhänge – allein, ein Zusammenhang ist schwer zu belegen. Das beste bisherige Indiz liefern nun ausführliche Zellkulturexperimente einer brasilianischen Arbeitsgruppe um Patricia Garcez von der Bundesuniversität Rio de Janeiro.

Dabei untersuchte die Forscherin, wie neurale Stammzellen und sogenannte Organoide – organähnliche Mikrostrukturen, die aus Stammzellen entstehen – auf die Infektion reagieren. Dabei zeigte sich, dass infizierte Stammzellen sich zu typischen Klumpen, den Neurosphären, zusammenlagerten; diese aber waren abnormal und teilweise instabil. Wie analoge Experimente an den zerebralen Organoiden zeigten, wachsen diese speziell gezüchteten Mini-Gehirne um 40 Prozent weniger, wenn sie mit dem Erreger infiziert sind.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Bisher ist das Zika-Virus zwar im Gehirn von Neugeborenen mit der charakteristischen Fehlbildung nachgewiesen worden – der Beleg, dass der Erreger Hirnzellen direkt schädigt, stand allerdings bisher noch aus. Die Experimente der Wissenschaftlerin erzeugten nun jedoch in der Petrischale exakt jene Befunde, die man erwarten würde.

Dagegen zeigte sich, dass Dengue-Viren, die mit Zika eng verwandt sind, diesen Effekt nicht haben. Damit ist die Schädigung der Nervenzellen keine allgemeine Eigenschaft solcher Viren, sondern wohl für Zika spezifisch.

Für diese Interpretation spricht auch, dass nun Forscher neben dem Guillain-Barré-Syndrom eine zweite neuronale Erkrankung bei Erwachsenen entdeckten, die möglicherweise auch auf eine Infektion mit Zika zurückgeht: die Akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM), eine Autoimmunerkrankung, die Ähnlichkeiten mit multipler Sklerose aufweist.

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