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21.01.2017

16:00 Uhr

Medizintechnik

Roboter-Hilfe für kranke Herzen

Millionen Menschen leiden an Herzinsuffizienz, ihr Herz wird immer schwächer und unfähig, richtig zu pumpen. Oft helfen nur Herztransplantate oder künstliche Pumpen. Nun arbeiten Forscher an einer neuen Methode.

Künstliche Muskeln in einer dünnen Silikon-Haut umhüllen das kranke Organ und pressen es sanft, um es weiter schlagen zu lassen. (Bild: Ellen Roche/Science Translational Medicine) AP

Roboter-Unterstützung für kranke Herzen

Künstliche Muskeln in einer dünnen Silikon-Haut umhüllen das kranke Organ und pressen es sanft, um es weiter schlagen zu lassen. (Bild: Ellen Roche/Science Translational Medicine)

WashingtonWissenschaftler entwickeln eine robotische Manschette, die ein krankes Herz umhüllen und sanft pressen kann, um es weiter schlagen zu lassen. Bisher wurde sie nur an Tieren getestet und hat bei Schweinen eine bessere Durchblutung erzielt. Die Vorrichtung simuliert die Bewegungen eines schlagenden Herzens – eine mögliche Waffe gegen tödliches Herzversagen auch beim Menschen.

Für den neuen Ansatz haben Ärzte der Harvard-Universität und des Kinderkrankenhauses von Boston künstliche Muskeln in eine dünne Silikon-Hülle gewunden, so dass sich diese synchron mit dem Herzgewebe unter ihr bewegen kann. Es ist ein völlig anderer Ansatz als die bisherigen Behandlungsmethoden und könnte eines Tages vielleicht eine Alternative zu Herztransplantationen eröffnen – oder sogar zu einer Heilung beitragen.

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„Man kann die Funktion der Vorrichtung maßschneidern, entsprechend den individuellen Bedürfnissen des Herzens“, sagt Frank Pigula, ein Herzchirurg am Kinderkrankenhaus. Er war mit der Idee an Harvard-Kollegen herangetreten, die auf die Entwicklung „weicher Robotik“ spezialisiert sind.

Millionen Menschen weltweit leiden unter Herzinsuffizienz – Tendenz steigend angesichts der zunehmenden Alterung der Bevölkerung. Ein etwa durch hohen Blutdruck oder andere Probleme beschädigtes Herz wird dabei fortschreitend schwächer und unfähig, richtig zu pumpen.

In schweren Fällen sind die einzigen Optionen eine Herztransplantation oder mit Batterien betriebene künstliche Pumpen, die in die Brust eingepflanzt werden. Diese Geräte verlängern das Leben, aber Blut durch Maschinen zu pumpen kann Patienten der Gefahr von Blutgerinnseln, Schlaganfällen und Blutungen aussetzen. Risiken, die bei der Anwendung einer robotischen Manschette nicht bestehen dürften.

„Die gute Sache daran ist, dass dies an die Außenseite des Herzens gehen kann, also überhaupt keine Berührung mit dem Blut haben muss“, sagt Harvard-Dozent Conor Walsh, führender Autor der jüngst veröffentlichten Forschungsstudie.

Dank ihrer Weichheit könnte sich die Hülle leicht den unregelmäßigen Herzoberflächen anpassen. Die künstlichen Muskeln werden durch Druckluft angetrieben. Das würde das Tragen einer Pumpe in einem Rucksack oder einer Gürteltasche erfordern – ähnlich wie bei den Batterien für die heutigen Herzunterstützungssysteme (VADs).

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