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22.12.2016

14:28 Uhr

Meeresbiologie

Robben kehren an die Ostseeküste zurück

Vieles spricht dafür, dass die Kegelrobben ihren vor 100 Jahren verlorenen Lebensraum an der deutschen Ostseeküste zurückerobern. Mit Spionagesoftware haben Forscher die Robben als Wiederkehrer geoutet.

Kegelrobben fühlen sich an der deutschen Ostseeküste offenbar wieder wohl.

Kegelrobbe mit Jungtieren

Kegelrobben fühlen sich an der deutschen Ostseeküste offenbar wieder wohl.

StralsundNoch rätseln Forscher, ob die Kegelrobbe tatsächlich an die deutsche Ostseeküste zurückgekehrt ist – es fehlt der Nachweis für die Geburt eines Robbenbabys vor Ort. Doch die Kegelrobben, die seit mehr als zehn Jahren zunehmend auf der Greifswalder Oie oder im Greifswalder Bodden entdeckt werden, fühlen sich in diesem Terrain offenbar sehr wohl: Mit einer Spionagesoftware haben Meeresbiologen einen Teil der Tiere als alljährliche Wiederkehrer geoutet.

Die Meeresbiologin Linda Westphal wertete für ihre Masterarbeit an der Universität Rostock 3000 Fotos von Kegelrobben aus, die zwischen 2007 und 2016 vor der mecklenburg-vorpommerschen Küste gemacht wurden. Mit einer speziellen Mustererkennungssoftware fahndete sie nach typischen Schattierungen auf dem Fell. „Jede Robbe hat eine stabile, individuelle Fellfärbung, die sie von anderen Robben unterscheidet“, sagt der Kurator für Meeressäuger am Deutschen Meeresmuseum, Michael Dähne.

Bislang wurden mit dieser Methode 15 Robben auf mehreren Fotos aus verschiedenen Jahren wiedererkannt. „14 von ihnen haben immer wieder denselben Liegeplatz aufgesucht“, berichtet Dähne. Sieben der 15 Robben sind sogar jährlich wiederkehrende Säuger. „Diese Daten sprechen für eine große Standorttreue“, sagt der Meeresbiologe, unter dessen Leitung das Projekt am Meeresmuseum fortgesetzt werden soll.

Damit mehren sich die Indizien, dass die Kegelrobbe ihren vor etwa 100 Jahren verlorenen Lebensraum langsam zurückerobert. Dieses Jahr fanden Biologen auf Rügen ein totes Robbenbaby, das noch Reste des typischen Babyfells, Lanugo genannt, trug. Dieses plüschig weiße Fell tragen die Tiere nur in den ersten drei Wochen nach der Geburt.

2015 war eine trächtige Kegelrobbe wochenlang auf der Greifswalder Oie gesichtet worden. Kurz vor der Geburt verschwand das Tier vermutlich Richtung Norden. Da Robben immer wieder an ihren alten Wurfplatz zurückkehren, wäre die Geburt eines Robbenbabys ein Zeichen für die Wiederansiedlung, sagt Dähne. Kegelrobben haben eine Lebenserwartung von etwa 40 Jahren.

Bejagung und Umweltgifte hatten in der Vergangenheit zu einem Bestandseinbruch der Meeressäuger geführt, von dem sie sich allmählich erholen. Mittlerweile leben in der Ostsee wieder rund 35.000 Tiere, nachdem die Population in den 1980er Jahren auf etwa 2000 gesunken war. Dennoch ist die ursprüngliche Zahl von einst 100.000 Robben vor mehr als 100 Jahren noch längst nicht erreicht.

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