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22.09.2011

19:23 Uhr

Meeresforschung

Kinderstube von Haien in der Tiefsee entdeckt

Lange galten Tiefsee-Methanquellen als Lebensraum für nur wenige, hoch spezialisierter "Überlebenskünstler". Jetzt haben Forscher tausende Eier von Raubfischen in der Umgebung einiger Quellen entdeckt.

Blick über ein Röhrenwurmfeld mit Katzenhai-Eikapseln im östlichen Mittelmeer in rund 500 Meter Tiefe. Die Eikapseln sind etwa fünf Zentimeter lang und rot-bräunlich gefärbt. dpa

Blick über ein Röhrenwurmfeld mit Katzenhai-Eikapseln im östlichen Mittelmeer in rund 500 Meter Tiefe. Die Eikapseln sind etwa fünf Zentimeter lang und rot-bräunlich gefärbt.

GöttingenEine wichtige Kinderstube von Haien und Rochen sind Methanquellen in der Tiefsee. Das haben Forscher der Universität Göttingen und des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften zusammen mit Kollegen aus Österreich und den USA herausgefunden. Sie entdeckten an natürlichen Methanquellen im Ost-Pazifik und im Mittelmeer tausende Eier von Raubfischen.

Bisher galten solche Quellen am Meeresboden als Lebensraum für nur wenige hoch spezialisierte Überlebenskünstler, wie die Experten aus Göttingen und Kiel am Donnerstag mitteilten. Sie berichten über ihren Fund im Fachjournal „Marine Ecology Progress Series“.

Auf dem Meeresboden vor Chile fanden die Wissenschaftler in 700 Metern Tiefe mehrere Generationen riesiger Ei-Kapseln von Tiefseerochen. Sie waren zwischen Röhrenwürmern und Kalksteinblöcken abgelegt. Den Forschern gelang es sogar, ein trächtiges Rochenweibchen zu filmen. An Methanquellen im Mittelmeer stießen die Wissenschaftler auf Ei-Kapseln von Katzenhaien.

Von Katzenhaien stammten auch 35 Millionen Jahre alte versteinerte Ei-Kapseln, die der Göttinger Paläontologe Steffen Kiel im US-Bundesstaat Washington entdeckte. Sie befanden sich zwischen ebenfalls versteinerten Röhrenwürmern an einer Methanquelle, die durch geologische Prozesse aus dem Meer gehoben wurde. „Damit lässt sich das Brutverhalten dieser Tiere weit in die Erdgeschichte zurückverfolgen“, erläuterte Kiel.

„Die große geografische Distanz zwischen unseren Funden und ihre lange Fossilgeschichte lassen vermuten, dass Tiefseehaie und andere Raubfische auch Methanquellen in anderen Teilen der Ozeane als Kinderstube nutzen“, sagte die Kieler Geobiologin Professor Tina Treude. Die Wissenschaftler warnten deshalb davor, diese Bereiche durch Schleppnetzfischerei zu beschädigen. Methanquellen sollten ihrer Ansicht nach unter Schutz gestellt werden.

Von

dpa

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