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11.10.2012

11:04 Uhr

Meeresforschung

Tiefsee-Leben viel älter als gedacht

Vor Florida haben Forscher einen Blick in die Geschichte der Tiefsee werfen können – und dabei Überraschendes zutage gefördert. Sie stießen auf Fossilien von Lebewesen, die einiges überstanden haben müssen.

Die Vorfahren dieses Tiefsee-Schlangensterns bevölkerten schon vor 114 Millionen Jahren die Meere. dapd

Die Vorfahren dieses Tiefsee-Schlangensterns bevölkerten schon vor 114 Millionen Jahren die Meere.

Göttingen/San FranciscoEinige Tierarten der Tiefsee haben offenbar gleich mehrere Massensterben auf der Erde überlebt und existieren schon deutlich länger als bislang vermutet. Das schließt ein internationales Forscherteam aus etwa 114 Millionen Jahre alten Fossilienfunden vor Florida. Dabei handele es sich um den ältesten Nachweis von auch heute noch existierenden Tiefsee-Organismen, so Forschungsleiter Ben Thuy von der Universität Göttingen.

Die Tiefsee ist der größte, aber auch der am wenigsten erforschte Lebensraum der Erde. Besonders rätselhaft ist die erdgeschichtliche Entwicklung der heutigen Tiefsee-Organismen. Bisher gingen Meeresbiologen davon aus, dass die heutigen Tiefsee-Ökosysteme aus mehreren Umwälzungen im Zuge von Massensterben und globalen Veränderungen der Ozeane entstanden. Somit müssten sie – im erdgeschichtlichen Maßstab – relativ jung sein.

Da Überreste von Organismen aus der Tiefsee jedoch nur extrem selten als Fossilien gefunden werden, war eine direkte Überprüfung dieser Annahme bisher nicht möglich. Die nun entdeckten Fossilien stammen allesamt von Stachelhäutern, wie zum Beispiel Seeigeln, Seesternen und Schlangensternen, die in der heutigen Tiefsee sehr häufig und vielfältig sind. Das lässt den Schluss zu, dass ein wesentlicher Teil der heutigen Tiefsee-Organismen deutlich älter ist als bislang gedacht.

„Selbst bei den letzten großen Umwälzungen der Ozeane in der Kreidezeit und im späten Paläozän muss es Rückzugsgebiete innerhalb der Tiefsee gegeben haben, wo die Organismen sich halten konnten“, sagte Thuy. Die Kreidezeit endete vor rund 65 Millionen, als unter anderem die Dinosaurier ausstarben. Das Paläozän ging vor etwa 55 Millionen Jahren zu Ende.

Die Wissenschaftler machten ihre Funde in Sedimenten aus Tiefsee-Bohrungen geborgen, in denen üblicherweise nach den Resten von kleinen Einzellern gesucht wird, aus denen sich frühere Klimaverhältnisse rekonstruieren lassen.  „Dass darin auch Reste von größeren Meerestieren aus der Tiefsee vorkommen, war eine große Überraschung“, so Thuy. „Diese Fossilien bieten ein einmaliges und bisher völlig unbeachtetes Fenster in die Geschichte der Tiefsee.“

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