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19.06.2015

16:14 Uhr

Mers in Südkorea

Premier entschuldigt sich für schlechtes Krisenmanagement

Südkoreas neuer Premierminister hat sich für die schwerfällige Reaktion der Behörden auf die Mers-Infektionen entschuldigt. Seit Wochen kämpft das Land gegen Mers. Jetzt gibt es Hoffnung, dass die Krankheit abflauen könnte.

Mit groß angelegten Desinfektionskampagnen bekämpfen Südkoreas Gesundheitsbehörden das Mers-Virus. ap

Kampf gegen das Virus

Mit groß angelegten Desinfektionskampagnen bekämpfen Südkoreas Gesundheitsbehörden das Mers-Virus.

SeoulEinen Monat nach dem Beginn des Mers-Ausbruchs in Südkorea ist ein 24. Patient in dem Land an der Atemwegserkrankung gestorben. Daneben meldete das Gesundheitsministerium am Freitag aber nur eine Neuerkrankung. Damit erhöhte sich die Zahl der Patienten mit dem Coronavirus (Mers-CoV) auf 166, von denen 16 in Lebensgefahr schweben.

In den vergangenen Tagen hatte es bereits Anzeichen für einen Rückgang beim Anstieg der Neuinfektionen gegeben. Man gehe davon aus, „dass die Ausbreitung der Krankheit abflaut“, zitierte die nationale Nachrichtenagentur Yonhap einen Vertreter des Notfall-Kontrollzentrum des Gesundheitsministeriums. Allerdings hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zuletzt mehrfach davor gewarnt, dass sich der Ausbruch in Südkorea noch Wochen hinziehen könnte.

Die wichtigsten Infos zum Mers-Virus

Woher kommt das Virus?

Das Mers-Virus zählt zu den Coronaviren, zu denen auch viele Schnupfen- und Erkältungsviren gehören. Mers ist vor allem im Nahen Osten verbreitet, da die Krankheit meist von Kamelen auf Menschen überspringt. Daher auch der Name Mers, der für „Middle East Repiratory Syndrome“ steht. Erstmals wurde der Erreger 2012 in Saudi-Arabien nachgewiesen. Bis Mitte Juni hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 1289 bestätigte Mers-Fälle erfasst, darunter mindestens 455 Todesopfer.

Welche Symptome verursacht der Erreger?

Mers löst zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber und Atemprobleme aus. In schweren Fällen kann es zu Lungenentzündung und Nierenversagen kommen.

Wie begann der aktuelle Mers-Ausbruch in Südkorea?

Ein 68-jähriger Mann hat sich bei einer Reise in den Nahen Osten infiziert und das Mers-Virus nach Südkorea gebracht. Bei ihm wurde der Erreger am 20. Mai nachgewiesen. Da hatte der Patient schon Angehörige, Pflegepersonal in der Klinik sowie Mitpatienten und deren Besucher angesteckt. Anscheinend erkannten Ärzte die Erkrankung zunächst nicht.

Wie gefährlich ist Mers?

Der Ausbruch in Südkorea lässt vermuten, dass das Virus ansteckender ist als angenommen. Experten glauben, dass es sogenannte Superspreader gibt, also Erkrankte, die besonders viele Menschen anstecken. Gleichzeitig scheint das Virus in Südkorea aber auch weniger gefährlich zu sein. Die Todesrate liegt in Südkorea bei 7 bis 9 Prozent, deutlich unter der der weltweit registrierten Fälle (circa 35 Prozent).

Ist so ein Ausbruch auch in Deutschland möglich?

Davon gehen Experten aus. Mers wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts bislang bei drei Patienten in Deutschland nachgewiesen. Alle brachten den Erreger von der Arabischen Halbinsel mit. Weitere importierte Fälle seien jederzeit möglich, meint das Robert Koch-Institut. Jährlich fliegen etwa eine Million Menschen von der Arabischen Halbinsel nach Deutschland.

Gibt es einen Impfstoff?

Forscher arbeiten derzeit an einer Schutzimpfung gegen Mers. Ein Impfstoff wurde an der Universität München bereits an Mäusen getestet. Bald könnte eine erste Studie an Menschen zur Verträglichkeit folgen.

Auch die Zahl der Menschen in Quarantäne, die zwischenzeitlich bei 6700 lag, ging seit Donnerstag zurück. Nach Angaben der südkoreanischen Behörden befinden sich noch 5930 Menschen zur Beobachtung auf Isolierstationen oder zu Hause.

Südkoreas neuer Premierminister Hwang Kyo Ahn entschuldigte sich für die anfangs schwerfällige Reaktion der Behörden auf den Ausbruch. „Als neuer Ministerpräsident bedaure ich die unzulängliche Reaktion der Regierung zu Beginn“, sagte Hwang vor Abgeordneten im Parlament. Die Reaktion sei auch deshalb zu spät gewesen, „weil es einen Mangel an Informationen über das Mers-Virus gab“, wurde er von Yonhap zitiert.

Südkorea erlebt den größten Mers-Ausbruch außerhalb der arabischen Halbinsel. Erster bestätigter Kranker mit Mers war im Mai ein 68-Jähriger, der von einer Nahost-Reise zurückgekehrt war.

Am vergangenen Donnerstag hatte Thailand die erste Mers-Erkrankung im Land bekanntgegeben. Es handelt sich um einen 75-Jährigen aus dem arabischen Raum. Er war am Montag per Flugzeug aus dem Nahen Osten eingereist, um sich wegen Herzproblemen in einer Privatklinik behandeln zu lassen. Dort hegte ein Arzt den Verdacht auf Mers.

Von

dpa

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