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09.05.2017

14:23 Uhr

Ministerium prüft Zulassung

HIV-Tests für den Hausgebrauch

Einen HIV-Test in den eigenen vier Wänden machen? In Deutschland ist das bislang nicht möglich, hier dürfen Schnelltests nur an Ärzte, Laboratorien und Einrichtungen wie Behörden verkauft werden. Das könnte sich ändern.

Ähnlich wie beim Blutzucker-Test für Diabetiker wird auch beim HIV-Schnelltest ein Tropfen Blut aus dem Finger analysiert. dpa

HIV-Heimtest

Ähnlich wie beim Blutzucker-Test für Diabetiker wird auch beim HIV-Schnelltest ein Tropfen Blut aus dem Finger analysiert.

BerlinIn Deutschland könnten schon bald HIV-Tests für zu Hause legal sein. In Europa seien seit kurzer Zeit erstmals Schnelltests erhältlich, die wesentlich genauer und einfacher zu handhaben seien als frühere Tests, sagte Susanne Wackers, Referentin beim Bundesgesundheitsministerium. Aktuell prüfe das Ministerium, ob dies zu einer Änderung der bisherigen Bewertung führen könne.

Bislang dürfen HIV-Schnelltests in Deutschland nur an Ärzte, medizinische Laboratorien und Einrichtungen wie Behörden verkauft werden. In Großbritannien und Frankreich sind sie hingegen auch für den Hausgebrauch legal.

Die Deutsche Aids-Hilfe hofft noch in diesem Jahr auf eine Zulassung für die Abgabe in deutschen Apotheken und ausgewiesenen HIV-Beratungsstellen. „Wir können mit diesem Test Menschen erreichen, die aus Scham oder Angst bisher den Weg zum Arzt oder zu einer Teststelle scheuen“, so Holger Wicht, Sprecher der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin.

HIV-Infektionen sind heute behandelbar

Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, die Aids-Epidemie bis 2030 zu beenden. Die Aids-Hilfe will dieses Ziel für Deutschland früher erreichen. An diesem Freitag will sie eine neue Kampagne starten, die für möglichst frühe HIV-Tests wirbt. Ziel ist es, dass vom Jahr 2020 an in Deutschland niemand mehr an Aids erkrankt.

Nach den jüngsten Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) für 2015 wurde bei rund 3900 Menschen in Deutschland erstmals HIV diagnostiziert. Bei rund 1200 von ihnen liegt die Ansteckung allerdings viele Jahre zurück – dementsprechend fortgeschritten ist die Erkrankung des Immunsystems.

Nach RKI-Schätzungen leben insgesamt 12.600 Menschen unwissentlich mit dem HI-Virus. Die Mehrzahl von ihnen sind schwule Männer. Das HI-Virus trifft aber nach wie vor auch bi- und heterosexuelle Männer und Frauen.

„Oft ohne es zu wissen können sie HIV an Sex-Partner weitergeben“, sagt Wicht. „Sie bringen sich aber vor allem selbst um gute Behandlungschancen.“ Denn eine HIV-Infektion lässt sich heute wie eine chronische Krankheit behandeln. Die durch HIV verursachte Immunschwäche Aids aber kann immer noch tödlich enden.

„Viele Menschen gehen selbst bei eigenen Gedanken an eine HIV-Infektion nicht zum Arzt“, berichtet Wicht. „Und auch viele Hausärzte haben HIV bei Symptomen wie massivem Gewichtsverlust oder bestimmten Lungenentzündungen oft nicht als mögliche Ursache auf dem Schirm.“

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