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03.02.2016

10:14 Uhr

Mondsonde Luna 9

Als der Mond russisch sprach

Wenige Jahre nach Sputnik und Juri Gagarin schrieb die Sowjetunion 1966 erneut Raumfahrtgeschichte. Eine Sonde landet weich auf der Oberfläche des Mondes. Vorangegangen war eine schmerzhafte Serie von Misserfolgen.

Die sowjetische Nachrichtenagentur Tass veröffentlichte am 5. Februar 1966 diese Zeichnung der zwei Tage auf dem Mond gelandeten Sonde. dpa

Mondsonde Luna-9

Die sowjetische Nachrichtenagentur Tass veröffentlichte am 5. Februar 1966 diese Zeichnung der zwei Tage auf dem Mond gelandeten Sonde.

MoskauNach dem Start explodiert, bei der Landung zerschellt, im Weltraum verschollen: Die Eroberung des Mondes war lange Zeit eine Geschichte von Pannen – bis zu einem Donnerstag vor 50 Jahren. Am 3. Februar 1966 setzt um 19.45 Uhr MEZ erstmals ein von Menschen gebautes Objekt unbeschädigt und funktionsfähig auf dem Erdtrabanten auf.

Als die sowjetische Sonde Luna 9 wenig später Signale sendet, ist in Moskau der Stolz auf das technische Bravourstück groß. „Der Mond spricht jetzt russisch“, ruft ein Wissenschaftler begeistert. In der Raumfahrt hat eine neue Zeitrechnung begonnen – nur gut drei Jahre später betritt der erste Mensch den Erdtrabanten.

Vor Luna 9 war der Erd-Nachbar vor allem ein Friedhof für Sonden. Rakete um Rakete schossen Amerikaner und Sowjets in Richtung des Erdtrabanten. Doch alle detonierten entweder in der Luft, verfehlten den Mond oder zerbrachen bei der zu harten Landung.

Am 31. Januar 1966 hebt dann die insgesamt eineinhalb Tonnen schwere Luna 9 vom Weltraumbahnhof Baikonur ab. Drei Tage später bremst der Apparat rund 75 Kilometer über dem Mond ab. Der 99 Kilogramm schwere Landekörper setzt punktgenau im lunaren „Ozean der Stürme“ auf.

Wie tragfähig ist die Mondoberfläche?

Als sich die Antennen entfalten, steht die 58 Zentimeter große Sonde wie eine exotische Blume in der Kraterlandschaft. 75 Stunden lang sendet das Raumfahrzeug Messwerte, dann ist die Batterie erschöpft. Vier Monate später gelang auch den USA der Sprung auf den Mond mit der Sonde Surveyor-1. Damit war der Wettlauf um die erste bemannte Mondmission endgültig in seine heiße Phase getreten.

Neben Bilder und Messwerten liefert Luna 9 vor allem die Antwort auf eine wichtige Frage im Hinblick auf bemannte Mondflüge: Wie tragfähig ist die Oberfläche des Mondes? Lange fürchteten Experten in Washington und Moskau, dass der Mond von haushohen Staubschichten bedeckt sein könnte, in denen Astronauten und Raumfähren versinken. Doch die sowjetische Sonde bleibt auf federnden Teleskop-Beinen stabil stehen und funkt nach kurzer Zeit Fotos von ihrem Landeplatz zur Erde.

Obwohl die Bilder nur eine dunkle Steinwüste zeigen, bringen die Aufnahmen die Wissenschaftler zum Schwärmen. „Das sind die sensationellsten Fotos, die wir je hatten“, jubelt etwa Bernard Lovell, damals Chef des britischen Jodrell-Bank-Radioobservatoriums.

Doch der Kreml ist zunächst weniger begeistert. Lovell fischt nämlich mit der Parabolantenne die Signale von Luna 9 aus dem Äther und gibt die Bilder vom Mond an die Zeitung Daily Express, die die Fotos sofort veröffentlicht – noch vor der sowjetischen Parteizeitung Prawda. Dass englische Zeitungsleser die historischen Aufnahmen früher sehen als die von der Landemeldung aufgeregten Russen, schmeckt der kommunistischen Führung gar nicht. Doch als die Bilder um die Welt gehen und Bewunderung auslösen, beruhigt sich der Kreml.

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