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22.03.2006

14:24 Uhr

INGOLSTADT.

Geheimnisvoll leuchtet im Dunkeln ein blaues Band in vier Metern Höhe. Darüber „schwebt“ ein Bürogebäude. Drunter steht eine Produktionshalle auf festem Boden. Diese Konstruktion lässt die neue Firmenzentrale von AlkiTechnik trotz 24 m Höhe leichter erscheinen. Das Besondere des Multifunktionsgebäudes ist noch etwas anderes: „Die Kombination erneuerbarer Energietechniken und Verteilungssysteme zum Heizen und Kühlen ist einzigartig“, urteilt Prof. Wilfried Zörner von der Fachhochschule Ingolstadt. In Europa gebe es vielleicht fünf Gebäude mit ähnlich innovativen Kombinationen.

Auf fossile Energieträger wird verzichtet. „Das erhöht den wirtschaftliche Wert des Gebäudes gegenüber konventionellen, bei denen die rasant steigenden Heiz- und Kühlkosten fast schon eine zweite Miete ausmachen und die Anlagen relativ schnell veralten“, erklärt der Architekt Peter Bachschuster. „Vor allem wird auf die sehr fragwürdige konventionelle Klimatisierung verzichtet. Sie verschlingt teils mehr Energie und Kosten als das Heizen - aber keiner spricht davon“, sagt Zörner.

Bachschuster hat das erst lernen müssen – anfangs wollte er ein ganz normales Gebäude bauen. Energieberater Manfred Rössle aus Neuburg brachte ihn zum Umdenken. Die energetischen, ökologischen und wirtschaftlichen Argumente überzeugten Alki-Firmeninhaber Albert Kipfelsberger. Selbst ein Erfinder, sei er aufgeschlossen und habe gar Verbesserungsideen, heißt es in seinem Umfeld. Alki gilt laut Creditreform als Weltmarktführer von Schraubsystemen mit einem Umsatz von 5 Mill. Euro und 20 Beschäftigten.

Das Konzept des im Juni bezogenen Komplexes mit einer Bruttogrundrissfläche von 3700 m² lautet: „Die Erde unter dem Gebäude liefert die Heiz- und Kühlenergie, die Sonne die Antriebsenergie.“ Für Wärme sorgen Grundwasserwärmepumpen. Das erhitzte Wasser wird durch Baukernaktivierung im Gebäude verteilt: über ein in die Betondecken, Wänden und Böden eingelegtes Röhrensystem von rund 10000 m Länge. Der Beton wärmt die Räume. Im Sommer wird zur Raumkühlung kaltes Grundwasser durch das Rohrsystem gepumpt. „Diese Kombination ist energetisch optimal“, meint Zörner.

Sehr kaltes oder heißes Wetter aktiviert automatisch die verglaste, 54 m² große Westfassade. Ihr ist nicht anzusehen, dass sie auch Heizen und Kühlen kann und die Spitzenlast übernimmt. Versteckt in den Stahlträgern sind Wasserrohre und vor den Fenstern sensorgesteuerte Jalousien. Der Hersteller Gartner baut solche Fassaden weltweit. „Die Räume sind besser nutzbar, weil es weder Heizkörper noch den klassischen Kälteeffekt von Außenwänden gibt. Auch das Raumklima ist besser“, erläutert Bachschuster. Dach- und Außenflächen sind mit Solarmodulen bestückt, die die Hälfte des Strombedarfs abdecken können.

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