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05.11.2012

10:56 Uhr

Nanotechnologie

Zwerge mit Potenzial

Mit winzigen Partikeln die Welt verändern, das wollen Forscher und Unternehmer im Bereich der Nanotechnologie. Den Nanoteilchen wird ein Riesenpotenzial bescheinigt – ihre Risiken sind bislang aber noch kaum erforscht.

Mit einem Transmissionselektronenmikroskop werden am Institut für Technische Chemie der Universität Leipzig Proben von Nano-Hohlkugeln aus Zirkonium untersucht. - Experten bescheinigen der Nanotechnologie eine große Zukunft. dpa

Mit einem Transmissionselektronenmikroskop werden am Institut für Technische Chemie der Universität Leipzig Proben von Nano-Hohlkugeln aus Zirkonium untersucht. - Experten bescheinigen der Nanotechnologie eine große Zukunft.

SingapurDas Labor liegt versteckt in einem Parkhaus. Vor einer schweren Tür in der Betonwand steht ein mannshohes Poster: eine strahlende Schönheit lächelt darauf. Nur wer ganz nah herangeht, sieht, dass sich auf ihren makellosen Zähnen eine fast unsichtbare Zahnspange befindet. Hinter der Tür wird geforscht.

Spezialisten in weißen Kitteln, mit Haarnetz, Mundschutz und Handschuhen inspizieren, bündeln, kleben, zwirbeln und formen hauchdünne Mikrofasern. Dentaltechnikerinnen montieren die so hergestellten durchsichtigen Drähte auf Gebissmodelle. Das Material ist völlig neu. Die erste voll durchsichtige, festsitzende Zahnspange - Nanotechnologie macht sie möglich.

Das Labor gehört der jungen Firma BioMers, die weltweit den Zahnspangenmarkt aufmischen will. Studenten und Dozenten der Nationaluniversität von Singapur haben das Material mit neuen Verfahren, die Arbeit im Millionstel Millimeterbereich ermöglichen, aus superfeinem Granulat und hauchdünnen Fasern geschaffen. „Wir dachten gleich, dass durchsichtiger Draht perfekt für Zahnspangen ist - niemand will Drähte im Mund haben, die wie Bahngleise über den Zähne liegen“, sagt der Mikrobiologe George Aliphtiras, Mitbegründer von BioMers.

Viele Wissenschaftler und Unternehmer sehen in der Nanotechnologie revolutionäres Potenzial für neue Techniken und Verfahren: etwa Filtermaterial, um Deiche wasserdichter zu machen, schmutzabweisende Schutzschichten auf Maschinen und in Textilien, Wirkstofftransporter in der Medizin. „In den letzten fünf Jahren sind die Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet eskaliert“, sagt Professor Andy Hor, Direktor des Materialforschungsinstituts IMRE in Singapur. Auch IMRE arbeitet viel mit Nanotechnologie.

Nanos kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Zwerg“. Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter. „Man stelle sich eine Murmel im Verhältnis zur Erdkugel vor - das gibt eine Vorstellung davon, was ein Milliardstel Meter ist“, erklärt die Polytechnische Universität in Singapur. Nanotechnologie ist ein weiter Begriff, der sowohl die Verarbeitung von neuen Kleinstpartikeln beschreibt, als auch von herkömmlichen Fasern und Schichten, die sich neuerdings im Nanometerbereich produzieren lassen.

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