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22.08.2014

16:14 Uhr

Navigationssystem

Galileo-Satelliten ins All geschossen

Mit einer russischen Sojus-Rakete sind zwei Satelliten für das künftige europäische Navigationssystem Galileo ins All gestartet. Sie sollen dem US-System GPS Konkurrenz machen. Doch schon beim Start gab es Probleme.

Die russische Sojus-Rakete startete am Freitag vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana. AFP

Die russische Sojus-Rakete startete am Freitag vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana.

Paris Nach 24-stündiger Verzögerung wegen schlechten Wetters hat eine Rakete zwei Satelliten für das künftige europäische Navigationssystem Galileo ins All gebracht. Die russische Sojus-Rakete startete am Freitag vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana, wie live im Internet übertragene Bilder zeigten. Die beiden Satelliten – Galileo Sat-5 und Sat-6 – sollten in eine Erdumlaufbahn in 23.522 Kilometern Höhe gebracht werden. Eigentlich hätte die Sojus-Rakete bereits am Donnerstag starten sollen; wegen schlechten Wetters musste der Start aber verschoben werden.

Die ersten beiden Galileo-Satelliten waren im Oktober 2011 ins All geschossen worden, ein Jahr später kamen dann zwei weitere Satelliten dazu. Nach den am Freitag ins All gebrachten Satelliten sollen dieses Jahr noch zwei weitere folgen. In den kommenden Jahren sollen dann jeweils sechs bis acht weitere Galileo-Satelliten auf eine Erdumlaufbahn gebracht werden.

Das Navigationssystem Galileo soll einmal aus 30 Satelliten bestehen. Es soll dem US-System GPS Konkurrenz machen und eine noch genauere Positionsbestimmung erlauben. Ab kommendem Jahr soll es erste Dienste von Galileo geben, vor Ende dieses Jahrzehnts soll das System vollständig einsatzbereit sein. Die Kosten für das Projekt beziffern sich auf mehr als fünf Milliarden Euro.

Aktuell verfügen nur die USA sowie Russland über satellitengestützte Navigationssysteme. Beide werden nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) vom Militär kontrolliert und können „bei Bedarf“ - zum Beispiel aus sicherheitspolitischen Gründen – verfälscht oder sogar abgeschaltet werden. Autofahrer, Rettungsdienste und andere zivile Nutzer von GPS-Geräten wären dann aufgeschmissen.

„Ein zuverlässiges Navigations- und Ortungssystem ist ein Schlüsselelement für die Vernetzung von Verkehrsträgern und die Schaffung eines integrierten Gesamtverkehrssystems“, kommentierte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den Start am Freitag. Mit Galileo werde Europas Eigenständigkeit auf diesem Gebiet gesichert.

Ursprünglich sollte das milliardenschwere Prestigeprojekt mit geplanten 30 Satelliten bereits 2008 an den Start gehen. Wegen Streitigkeiten unter den Partnerländern gab es aber immer wieder Verzögerungen.

Vom kommenden Jahr an sollen auch europäische Ariane-5-Trägerraketen für den Transport der Galileo-Satelliten eingesetzt werden. In dieser Woche wurde dafür ein 500-Millionen-Euro-Auftrag unterzeichnet. Die Nutzung der russischen Sojus-Raketen gilt seit der Ukraine-Krise als politisch fragwürdig. Bislang wurden allerdings noch keine unmittelbar relevanten Auswirkungen auf die Kooperation bei Raumfahrt-Projekten bekannt. Die russische Sojus gilt als zuverlässiges Transportmittel, das mittelschwere Lasten kostengünstiger als die große europäische Ariane-Rakete ins All bringt.

Von

afp

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