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16.01.2008

14:30 Uhr

Neue Antriebstechnik

Raumtransporter entsorgt ISS-Müll

VonChris Löwer

Mitte Februar startet der weltweit erste vollautomatische Flug eines europäischen Raumtransporters zur Weltraumstation. Die neue Antriebs- und Steuerungstechnik könnte den Betrieb der ISS deutlich billiger machen - und auch noch bei ganz anderen Missionen zum Einsatz kommen.

Der Transporter wurde bei EADS in Bremen entwickelt. Bild: eads.net

Der Transporter wurde bei EADS in Bremen entwickelt. Bild: eads.net

BERLIN. Die Startvorbereitungen für den unbemannten Raumtransporter ATV (Automated Transfer Vehicle) am europäischen Weltraumbahnhof Kourou laufen auf Hochtouren: 280 Liter Trinkwasser, 1 300 Kilo Nahrungsmittel, Bekleidung, Geräte und Ersatzteile für die Besatzung der ISS sind bereits geladen. Im Februar wird der Transporter voraussichtlich zu seinem Jungfernflug starten – und eine einzigartige Premiere hinlegen: Der Transporter wird nach dem Start und der Trennung von einer Ariane 4-Rakete völlig selbstständig den Weg zur Internationalen Raumstation ISS finden und dort automatisch andocken. So etwas gab es bisher noch nie.

„Das ist eine der anspruchsvollsten technischen Herausforderungen, die wir bisher zu lösen hatten“, sagt Michael Menking, Direktor für orbitale und wiederverwendbare Systeme bei EADS Astrium in Bremen. Dort wurde das innovative Gefährt entwickelt, dem Fachleute eine große Zukunft voraussagen. „ATV ist das komplexeste Weltraumfahrzeug, das Europa je gebaut hat. Es vereint drei Geräte in einem: ein Fluggerät, einen Satellit und ein Modul einer Raumstation“, sagt Menking.

Der Transporter ist zehn Meter lang, hat einen Durchmesser von 4,5 Metern und kann 9,5 Tonnen Ladung befördern. Vier Sonnensegel mit 22 Metern Spannweite versorgen ihn während der sechsmonatigen Mission mit Energie. Im wesentlichen besteht er aus einem Antriebs- und einem Frachtmodul. Das Kunststück: Das Gefährt der Größe eines Linienbusses muss beim Andocken bis auf zehn Zentimeter genau den Anlegestutzen der ISS treffen und darf dabei maximal zehn Zentimeter pro Sekunde schnell sein.

Damit das gelingt, muss der komplexe Antrieb mit vier Haupttriebwerken und 27 Düsen hochpräzise gesteuert werden, wofür eigens entwickelte Bordrechner und eine spezielle Software sorgen. Das Programm verarbeitet die Daten der GPS-Satellitennavigation, von Radarsensoren und Laserstrahlen. Ist die Kapsel auf zwölf Meter angenähert, beginnt die Feinarbeit, für die im Wesentlichen die optischen Sensoren zuständig sind. Die Crew der ISS schaut dabei nur zu.

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