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08.01.2009

10:51 Uhr

Neue Forschungsergebnisse

Liebeshormon hilft beim Wiedererkennen von Gesichtern

VonTinka Wolf

Das Hormon Oxytocin verbessert die Fähigkeit, bekannte Gesichter wiederzuerkennen. Das berichten Wissenschaftler der Universität Zürich im "Journal of Neuroscience"

DÜSSELDORF. Die Forscher hatten ihren Probanden ein Nasenspray mit Oxytocin verabreicht und ihnen dann Bilder von Gesichtern, Häusern oder Landschaften gezeigt. Am nächsten Tag wurden die Versuchsteilnehmer mit einem Test überrascht: Sie sollten sich einige der Bilder noch einmal ansehen und dann angeben, ob sie sich an sie erinnern konnten.

Die Probanden, die das Oxytocin-Nasenspray bekommen hatten, erkannten Gesichter auf den Bildern besser wieder als die Vergleichsgruppe; bei Gebäuden oder Landschaften gab es jedoch keine Unterschiede.

Die Forscher schließen daraus, dass es im Gehirn unterschiedliche Mechanismen für das soziale und das nicht-soziale Gedächtnis geben muss und dass Oxytocin nur eines dieser beiden Systeme beeinflusst - nämlich die Fähigkeit, bekannte Gesichter wiederzuerkennen. "Das ist eine entscheidende Fähigkeit für erfolgreiche soziale Interaktionen zwischen Menschen", sagt der Züricher Psychologe Peter Klaver, der die Studie geleitet hatte. "In dieser Studie haben wir zum ersten Mal den Effekt von Oxytocin auf das soziale Gedächtnis von Menschen untersucht."

Oxytocin spielt eine wichtige Rolle bei und nach der Geburt, weil es die Geburtswehen auslöst und den Milchfluss bei stillenden Müttern anregt. Außerdem wird das Hormon oft als "Treue-" oder "Liebeshormon" bezeichnet, weil es sowohl die Mutter-Kind-Bindung als auch die Beziehung zwischen Paaren stärkt. In einem Investorenspiel brachten Probanden mit hohem Oxytocinspiegel ihren Spielpartnern mehr Vertrauen entgegen.

Während die Wirkung des Hormons auf zwischenmenschliche Bindungen belegt ist, war seine Rolle für das soziale Gedächtnis bisher unklar. Nur von Mäusen war bekannt, dass Oxytocin ihr soziales Gedächtnis verbessert. Anders als Menschen jedoch nutzen Mäuse hauptsächlich den Geruchssinn, um bekannte Artgenossen zu erkennen.

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