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25.07.2017

10:41 Uhr

Neue HIV-Therapie in Sicht

Monatsspritze statt täglicher Pillen

Bisher müssen HIV-Patienten täglich Pillen nehmen, um das Virus zu kontrollieren. Doch einem internationalen Forscherteam könnte ein entscheidender Durchbruch gelingen. Künftig könnte eine Monatsspritze ausreichen.

Gehören die Pillen bald der Vergangenheit an? Künftig könnte eine Monatsspritze reichen. dpa

Aids-Medikamente

Gehören die Pillen bald der Vergangenheit an? Künftig könnte eine Monatsspritze reichen.

Paris/LondonEine Monatsspritze kann das HI-Virus im Körper einer Studie zufolge ebenso gut kontrollieren wie die bisher übliche tägliche Einnahme von Tabletten. Das hat ein internationales Forscherteam mit deutscher Beteiligung am Montag auf der HIV-Konferenz in Paris berichtet. Sollten - bereits laufende - Zulassungsstudien die im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Ergebnisse bestätigen, könnte erstmals eine Injektionstherapie gegen HIV auf den Markt kommen, die nur alle vier Wochen nötig wäre. Unabhängige Experten sehen einen Meilenstein in der Geschichte der HIV-Therapie erreicht, wie sie in einem „Lancet“-Kommentar schreiben. Auch ein deutscher Experte spricht von einer Neuerung, die vielen Menschen helfen könne, die Therapie besser in ihren Lebensrhythmus einzupassen.

Bei der HIV-Behandlung nehmen Patienten derzeit täglich oral drei Wirkstoffe, die die Viruslast im Blut unter die Nachweisgrenze drücken können. Seit einigen Jahren gibt es Kombinationspräparate, so dass Betroffene nur noch eine Tablette pro Tag benötigen. Die nun getestete Injektionstherapie könnte die Behandlung weiter vereinfachen: Patienten bräuchten - im Fall der Zulassung - nur noch alle vier Wochen eine Dosis, allerdings als intramuskuläre Injektion.

Kann man trotz Impfung erkranken?

Kein ausnahmsloser Schutz

Keine einzige Impfung vermag ausnahmslos alle Geimpften zu schützen ebenso wie kein Medikament bei sämtlichen Patienten wirkt. Allerdings können Impfungen die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich senken.

Quelle: Robert-Koch-Institut

Ein Szenario

Man stelle sich folgendes Szenario vor: In einer Grundschule träte eine Masernepidemie auf. Die eine Hälfte der Schüler wäre geimpft, die andere nicht. Statistisch gesehen würden etwa 97 bis 98 Prozent der nicht geimpften Schüler erkranken, wohingegen unter den Geimpften nur zwei bis drei Prozent erkrankten.

Grippeimpfung weniger wirksam

Bei der Grippeimpfung dagegen ist die Wirkung weniger gut. Je nach Alter und Gesundheitszustand schützt sie etwa 40 bis 75% Prozent der Geimpften vor Grippe, wobei die Impfung bei alten Menschen in der Regel am schlechtesten anschlägt.

Auffrischungen

Des Weiteren kann eine nicht rechtzeitig durchgeführte Auffrischimpfung oder ein noch unvollständig aufgebauter Immunschutz die Impfung weniger effektiv werden lassen. So müssen die klassischen Kinder-Schutzimpfungen zunächst mehrfach nach einem zeitlich geregelten Schema wiederholt werden, bevor man mit einer zuverlässigen und dauerhaften Schutzwirkung rechnen kann.

Verhindern von schwereren Erkrankungen

Darüber hinaus gibt es Impfungen, die lediglich besonders schwere Erkrankungsverläufe verhindern. Dies ist bei der sogenannten BCG-Impfung gegen Tuberkulose der Fall, die man hierzulande bis Ende der neunziger Jahre standardmäßig bei Säuglingen durchführte, inzwischen aber vor allem wegen der vergleichsweise geringen Erkrankungswahrscheinlichkeit als Regelimpfung aufgegeben hat. Die Impfung schützte die Kinder zwar nicht vor einer Tuberkuloseinfektion an sich – aber vor ihren schlimmsten Komplikationen mit Befall des ganzen Körpers und Gehirns.

In der Studie, die auch in Deutschland vor allem die Sicherheit der Therapie prüfte, nahmen rund 300 Teilnehmer zunächst 20 Wochen lang wie üblich drei Wirkstoffe als Tabletten ein, um die Viruslast im Körper zu senken. Danach führten knapp 60 Patienten diese Behandlung fort, während jeweils 115 Teilnehmer zwei Wirkstoffe im Abstand von vier und acht Wochen intramuskulär injiziert bekamen.

Nach knapp zwei Jahren (96 Wochen) war die Viruskontrolle bei der Injektionstherapie sogar etwas ausgeprägter als bei der konventionellen Tabletten-Einnahme. Bei rund 90 Prozent der Betroffenen wurde das Virus dauerhaft unterdrückt - sowohl bei Injektionen im Abstand von vier Wochen wie auch von acht Wochen. Häufigste Nebenwirkung waren Schmerzen an der Einstichstelle, die im Mittel nach drei Tagen abklangen.

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Die Ergebnisse zeigten, „dass eine langwirkende injizierbare antivirale Therapie über einen langen Zeitraum sowohl hocheffektiv sein als auch gut vertragen werden kann“, wird Ko-Autor Joseph Eton von der University of North Carolina in Chapel Hill in einer „Lancet“-Mitteilung zitiert. Zulassungsstudien für die Injektionstherapie laufen bereits - allerdings nur für den Abstand von vier Wochen. Die achtwöchige Injektion hatte bei vier Teilnehmern nicht angeschlagen.

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