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16.01.2014

14:45 Uhr

Neue Infektionswelle

China ringt erneut mit der Vogelgrippe

China wird von einer neuen Infektionswelle mit der Vogelgrippe erschüttert. Und das ausgerechnet vor dem chinesischen Neujahrsfest, an dem Millionen Menschen verreisen und den Erreger quer durch das Land tragen können.

Hühner auf einem Markt in Hongkong. Viele Erkrankte haben sich durch Kontakt mit Geflügel auf Märkten infiziert. dpa

Hühner auf einem Markt in Hongkong. Viele Erkrankte haben sich durch Kontakt mit Geflügel auf Märkten infiziert.

PekingDie trügerische Ruhe in China ist vorbei. Die tödliche Vogelgrippe H7N9 ist wieder da. Das Staatsfernsehen zeigt Aufnahmen aus Krankenhäusern im Süden und Osten Chinas, die in Alarmbereitschaft versetzt wurden. Patienten mit Fieber, Husten, Hals- und Kopfschmerzen werden isoliert und auf den Erreger getestet.

Allein seit Jahresanfang wurden etwa 30 neue Infizierte gemeldet. In den vergangenen Monaten waren dagegen nur sporadisch neue Infektionen festgestellt worden. „Das Virus ist nicht unter Kontrolle“, sagt der Chef-Epidemiologe von Chinas Zentrum für Seuchenbekämpfung, Zeng Guang, der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Der Winter biete dem Erreger gute Voraussetzungen. „Das Virus hält Hitze nicht gut aus, aber es mag Kälte.“

Infos zur Vogelgrippe H7N9

Was ist H7N9?

Das Virus H7N9 ist nach der Kombination zweier Eiweiße - Hämagglutinin und Neuraminidase - auf seiner Oberfläche benannt. Es geht in Geflügelfarmen um, gilt aber als „gering pathogenes“ Virus, das Vögel in der Regel nicht krank macht. Dies kann dazu führen, dass es sich unbemerkt verbreitet, was es deutlich erschwert, seinen Ursprung zu finden.

Wie gefährlich ist das Virus für den Menschen?

Seit Februar haben sich in China mehrere Dutzend Menschen infiziert. Zu den Symptomen gehören Fieber und Atemprobleme bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen. Wie die Ansteckung genau verläuft, ist noch unklar. Viele Betroffene dürften sich bei infiziertem Geflügel angesteckt haben. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch galt lange als unwahrscheinlich, wird jetzt aber nicht mehr ausgeschlossen.

Welche Veränderungen des Virus beobachten Wissenschaftler?

Auch wenn es noch nicht sicher ist, scheint das Virus auf eine Weise mutiert zu sein, die es ihm einfacher macht, sich an Säugetiere anzupassen. Wissenschaftler versuchen derzeit, den aktuellen Wirt des Virus zu ermitteln. Eine Möglichkeit sind Schweine, weil sie einige grundlegende biologische Ähnlichkeiten mit Menschen aufweisen und als eine Art „Mischgefäß“ fungieren könnten, wenn sie mit verschiedenen Grippeviren-Typen gleichzeitig infiziert sind.

Gibt es eine Impfung?

Eine Impfung gegen H7N9 existiert nicht, allerdings arbeiten die Weltgesundheitsorganisation WHO und ihre Partner bereits daran, mögliche Viren zu isolieren und zu identifizieren, die künftig falls nötig für Impfungen genutzt werden könnten. Die Herstellung eines Impfstoffs würde allerdings Monate dauern.

Wie unterscheidet sich diese Vogelgrippe vom gefürchteten H5N1-Virus?

Anders als das H7N9-Virus war H5N1 meist tödlich bei Vögeln, was es leichter machte, Ausbrüche der Vogelgrippe zu identifizieren und ihnen entgegenzuwirken. H5N1 bleibt eine Vogelgrippe und hat nicht die Abzweigung zu weiteren Spezies wie Schweinen genommen. Die meisten Ansteckungen bei Menschen gingen entsprechend auf den Kontakt mit infizierten Vögeln zurück.

Der Erreger H5N1 infizierte seit 2003 weltweit mehr als 600 Menschen. 371 Patienten von ihnen starben. Experten fürchten allerdings, dass das H5N1-Virus in eine Form mutieren könnte, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird und damit möglicherweise eine Pandemie auslöst.

Sollte man Geflügelfleisch derzeit meiden?

Solange Geflügelprodukte vernünftig gekocht werden, gilt ihr Verzehr als ungefährlich.

Die Infektionswelle kommt zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt für das Riesenreich China mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern. Denn am 31. Januar beginnt das Neujahr nach dem Mondkalender. Zu dem wichtigsten Fest des Jahres werden Millionen Menschen in vollgestopften Zügen zu ihren Familien reisen. Festessen mit Freunden und Verwandten gehören zum Pflichtprogramm - perfekte Voraussetzungen, damit sich ein Erreger über das ganze Land ausbreiten kann.

Für Virologen und Seuchenexperten ist das Neujahrsfest ein Alptraum. „Wir machen uns Sorgen um das Risiko, das durch eine große Zahl von Menschen in kleinen Räumen entsteht“, sagt Liang Weifeng von der Medizinfakultät an der Zhejiang Universität. Zudem seien bereits erste Mutationen des Erregers festgestellt worden, die eine Übertragung von Mensch zu Mensch wahrscheinlicher machen könnten, mahnte Liang nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Dabei hatte die Bekämpfung der Viren bisher große Erfolge gebracht. Chinas Zentrum für Seuchenbekämpfung hatte gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium nach den ersten Diagnosen von H7N9 bei Patienten im März Vorsichtsmaßnahmen im ganzen Land angestoßen. Zehntausende Vögel wurden vorsorglich gekeult, und Krankenhäuser in Alarmbereitschaft versetzt. Einige Wochen danach wurden bis zum Jahresende nur noch selten neue Infektionen gemeldet. Auch wenn das Virus nach Auskunft der Weltgesundheitsorganisation WHO bis November 45 Menschen tötete, galt der Erreger als weitgehend zurückgedrängt.

Kommentare (2)

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Tierleid_erzeugt_Menschenleid

16.01.2014, 15:51 Uhr

Solange Tiere in Tierfabriken eng gedrängt und ohne irgendeine Möglichkeit, auch nur rudimentärste Bedürfnisse auszuleben, gehalten werden, wird es Pandemien geben, und die Gefahren werden steigen. Die Übeltaten der Menschen schlagen eben auf diese zurück, bei der Massentierhaltung in Qualfabriken in Form von Pandemien, Unmengen von mit dem Fleisch mitgegessenen Medikamenten (u.a. Antibiotika, die schon jetzt die Kliniken mit antibiotikaresistenten Keimen die Fülle konfrontieren), Gammelfleisch (man lese nur die Berichte über die hygienischen Missstände auf den Schlachthöfen und in den Fleischverarbeitungsfirmen), Umweltvernichtung durch die fürs Futter erforderlichen Monokulturen mit all ihren Folgen, dauerhafte Verseuchung von Boden und Wasser sowie Verpestung der Luft, Gesundheitsschäden durch Fleischkonsum in Form von Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, vor allem Brust- und Darmkrebs etc., etc. Hinzu kommen die schweren seelischen Verwüstungen, die diese Tierquälereien in den Seelen der Menschen und im kollektiven Unbewussten anrichten, denn eigentlich wissen wir alle, welches unsägliche Grauen sich hinter den nett verpackten blutigen Fleischklumpen an der Fleischtheke verbirgt. Dass Kinder und Jugendliche immer früher zu immer brutalerer Gewalt greifen, ist angesichts des ungeschlachten Verhaltens kein Wunder. Und es ist heuchlerisch, sich über den in der Tat unsäglichen Umgang der Chinesen mit Tieren aufzuregen, wenn man nicht gegen das Tierleid hinter den blick- und schalldichten Mauern deutscher und mitteleuropäischer Tierfabriken Sturm läuft. Der massenhafte Tiermord, vielsagend als "Keulung" bezeichnet, wird auch hier fröhlich praktiziert. Das Verdienst des HB ist es, immerhin diese Missstände immer wieder aufzuzeigen.

Account gelöscht!

17.01.2014, 08:03 Uhr

Albern. Einfach albern.

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