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30.12.2014

14:14 Uhr

Neue Studie

Ebola-Epidemie wohl durch Flughunde ausgelöst

Was hat die grassierende Ebola-Epidemie in Westafrika ausgelöst? Forscher des Robert Koch-Instituts suchten in Guinea nach möglichen Ursachen. Hinweise fanden sie in einem hohlen Baum, in dem Fledermäuse lebten.

Flughunde sind nach Ansicht von Forschern das "natürliche Reservoir" des Ebola-Erregers. Sie können die Viren beherbergen, ohne selbst zu erkranken. dpa

Flughunde sind nach Ansicht von Forschern das "natürliche Reservoir" des Ebola-Erregers. Sie können die Viren beherbergen, ohne selbst zu erkranken.

BerlinEine Insekten fressende Fledermausart hat möglicherweise die aktuelle Ebola-Epidemie ausgelöst, an der in Westafrika bereits Tausende Menschen gestorben sind. Zu diesem Schluss kommt eine Forschergruppe, die unter Federführung des Berliner Robert-Koch-Instituts in Guinea nach dem Ursprung der Seuche suchte.

Der am Dienstag in der Fachzeitschrift „EMBO Molecular Medicine“ veröffentlichten Studie zufolge wurde ein zweijähriger Junge, mit dem die Ausbreitung der Epidemie begonnen hatte, möglicherweise von so genannten Flughunden (Mops condylurus) infiziert. Das Kind war im Dezember 2013 in dem Dorf Meliandou nahe der Stadt Gueckedou im Süden Guineas am Ebola-Virus gestorben.

Wie sich Ebola verbreitet

Wann ist Ebola ansteckend?

Nur dann, wenn jemand bereits Symptome zeigt. Diese können allerdings unspezifisch sein. Die Krankheit kann mit Fieber, grippeähnlichen Schmerzen und Unterleibsschmerzen beginnen, später können Erbrechen und Durchfall folgen.

Wie breitet sich Ebola aus?

Durch Körperflüssigkeiten einer infizierten Person. Dazu zählen Blut, Schweiß, Erbrochenes, Urin, Kot, Speichel und Sperma. Diese Flüssigkeiten müssen bei einem anderen Menschen einen Eingangspunkt finden, sie können durch einen Schnitt oder Kratzer eindringen. Das Virus kann zudem weitergereicht werden, wenn jemand mit kontaminierten Händen die Nase, den Mund oder die Augen eines anderen berührt. Oder jemand wird mit den kontaminierten Flüssigkeiten angespritzt. Darum tragen Gesundheitsmitarbeiter Schutzhandschuhe und andere Schutzausrüstung.

Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, Blut, Stuhl und Erbrochenes seien die am stärksten ansteckenden Flüssigkeiten. In Speichel sei der Virus nur bei schwer erkrankten Menschen entdeckt worden, aus Schweiß sei er noch nicht entnommen worden.

Was passiert bei zufälligem Kontakt mit einem Infizierten?

Ebola wird nicht durch die Luft übertragen. Der Direktor der US-Seuchenbehörde (CDC), Tom Frieden, sagte, Menschen steckten sich nicht an, wenn sie beispielsweise nur in einem Bus neben einem Ebola-Patienten sitzen. „Es ist nicht wie bei der Grippe. Es ist nicht wie bei Masern, nicht wie bei der gewöhnlichen Erkältung. Es breitet sich nicht so aus“, sagte er.

Können Hunde das Virus übertragen?

Das weiß man noch nicht genau. Die Behörden schläferten den Hund der spanischen Krankenschwester ein, bei der Ebola diagnostiziert worden war. Es ist aber kein Fall dokumentiert, in dem jemals Ebola von einem Hund auf einen Menschen übertragen wurde. Aber es gibt eine Studie, nach der es möglich sein soll, dass Hunde Ebola bekommen können - ohne Symptome zu zeigen.

Wie wird vorgegangen, wenn ein Ebola-Verdacht besteht?

Die Krankenhäuser, die einen Verdachtsfall haben, informieren ihr Gesundheitsministerium oder die Seuchenbehörde. Dann wird eine Checkliste durchgegangen, um festzustellen, wie hoch das Risiko ist. So wird unter anderem gefragt, ob die Person von einem riskanten Kontakt mit einem bekannten Ebola-Patienten berichtet hat, wie krank sie ist und ob eine andere Diagnose wahrscheinlicher ist.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass eine Flughunde-Kolonie in einem hohlen Baum gelebt hatte, in dem Kinder des Dorfes oft spielten. Dieser Baum brannte zwar nach dem Tod des kleinen Jungen ab, die Wissenschaftler fanden in der Asche jedoch genetische Spuren der zu den Fledertieren zählenden Flughunde. Sie fanden allerdings keine Spuren des Ebola-Virus. Nach ihren Erkenntnissen könnten die Flughunde das Virus übertragen, ohne selbst an Ebola zu erkranken.

Einer der Autoren der Studie, der Epidemie-Forscher Fabian Leendertz vom Robert-Koch-Institut, äußerte sich jedoch noch zurückhaltend. „Wir haben noch wenige Erkenntnisse - alles, was wir sagen können ist, dass wir uns für Insekten fressende Fledermäuse interessieren müssen“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Forschergruppe werde diese Tierart nun näher untersuchen. Bisher galten vor allem Pflanzen fressende Fledermäuse in Westafrika als wahrscheinliche Überträger des Ebola-Virus.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

02.01.2015, 13:39 Uhr

Tatsächlich ist/sind der/die Träger höchstwahrscheinlich der/eine Flughund/-art, die an dem Erreger selbst nicht erkranken. Ich musste 2012 selbst einen Ausbruch in Isiro, DR Kongo aus nächster Nähe erleben. Diese Epedemie kam mit der Mangosaison herüber von Uganda. Mit der Mangosaison ziehen auch diese Flughunde. Eine direkte Übertragung auf den Mensch ist unüblich. Meist gibt es einen Zwischenwirt wie Affen und andere Wildtiere, die sich von den gleichen Früchten ernähren, die ggf. kontaminiert sind und sie damit zum Krankheitsträger werden. Werden sie, bevor sie sterben oder auch danach von Menschen verzehrt kann sich die Epidemie ausbreiten. Darum ist die erste Grundregel in Gefährdungsgebieten/-zeiten: möglichst gar kein Wild- und Affenfleisch essen - auf keinen Fall von kranken/schwachen oder gar schon tot aufgefundenen Tieren. Jegliches Fleisch ist ausreichend lange und heiß zuzubereiten. Das tückische an dem Erreger ist, dass es - erheblich stärker als z.B. HIV - sehr "wiederstandsfähig" ist, was z.B. außerkörperlichen Status anbelangt. So kann es auch eine Weile auf einer Frucht oder auch Kleidung "überleben". Das macht es so hochgefährlich.

Herr Freund Hein

02.01.2015, 14:36 Uhr

Typisch Journalist:
Hörensagen + "Denken" = Meldung!
Die Gattung Mops gehört zu den BulldoggenflederMÄUSEN. Tiere von der Größe eines Spatzen oder einer Amsel. Mit dem abgebildeten Flughund (Fruchtfresser!) haben sie aber nun wirklich so gar nichts zu tun, dass man die obige Gleichung ruhig als bewiesen ansehen kann.

Ihr werdet nicht mehr sorgfältiger und das ist sehr traurig.

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