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28.09.2012

15:05 Uhr

Neue Therapien

Mit Protonen Krebs bekämpfen

Die Teilchen sind winzig, ihre Wirkung groß. Ebenso die Hoffnung, die mit ihnen verbunden ist. In Dresden arbeiten Wissenschaftler an neuen Therapien gegen Krebs auf Basis von Radionukliden und Protonen.

Mitarbeiter der Abteilung Radiotherapeutika im Helmholtz Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) beschäftigen sich mit der Endoradionuklid-Therapie, der Grundlagenforschung für eine interne Strahlentherapie gegen Krebs. dpa

Mitarbeiter der Abteilung Radiotherapeutika im Helmholtz Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) beschäftigen sich mit der Endoradionuklid-Therapie, der Grundlagenforschung für eine interne Strahlentherapie gegen Krebs.

DresdenNicht immer muss man bei großen Problemen große Geschütze auffahren. Auch kleinste Teilchen können als wirksame Waffe im Kampf gegen Krankheiten dienen. In Dresden haben sich Forscher der Aufgabe verschrieben, Tumore mit Radionukliden und Protonen (geladenen Kernteilchen) zu bekämpfen.

Vielleicht führt gerade das Zusammenspiel beider zum Erfolg, Gewissheit wird es erst in ein paar Jahren geben. „Wir wollen mit unseren neuen radioaktiven Substanzen den Primärtumor maximal schädigen und die Metastasen im Körper vollständig zerstören“, sagt Hans-Jürgen Pietzsch, Chef der Abteilung Radiotherapeutika im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR).

Pietzsch liefert mit seinem Team quasi die Bodentruppen für das Gefecht. Sie sind für die innere Bestrahlung im Körper des Patienten zuständig. Dabei nutzen die Wissenschaftler eine verräterische Eigenschaft von Krebszellen: Sie haben einen erhöhten Energiebedarf und Stoffwechsel und heben sich damit von gesunden Zellen ab.

Ein rasend schneller Reißverschluss

Den Helmholtz-Wissenschaftlern schwebt vor, Antikörper zu produzieren, die als Transportmoleküle über die Blutbahn zum Tumor wandern und dort andocken. Da sich die vergleichsweise großen Moleküle nur langsam bewegen, kann das einige Tage dauern. Die eigentliche „Munition“ wird erst unmittelbar vor dem Kampf scharf gemacht.

„Das bei uns angewandte Schlüssel-und-Schloss-Prinzip sieht vor, dass die radioaktive Komponente erst verabreicht wird, wenn sich die Antikörper-Moleküle vollständig im Krebsgewebe angereichert haben. Dadurch soll der restliche Organismus vor einer unnötigen Strahlenbelastung geschützt werden“, erläutert Pietzsch.

Die radioaktive Substanz (Radionuklid), die ihre Strahlung unmittelbar am Tumor abgeben soll, wird nach einer Pause von einem bis mehreren Tagen injiziert und gelangt dann sehr schnell zum Tumorgewebe. „Dort erkennt der Schlüssel das passende Schloss, also den Antikörper, und bindet sich ausschließlich an diesen.“

Die Forscher nutzen dafür zwei zusammengehörige Einzelstränge der Erbsubstanz DNA. Einer wird an den Antikörper gebunden, der komplementäre DNA-Strang hängt am Radionuklid. „Treffen die beiden DNA-Einzelstränge aufeinander, gehen sie eine blitzschnelle und äußerst stabile Verbindung ein. Die dabei stattfindende Reaktion erinnert an einen sich rasend schnell schließenden Reißverschluss“, schildert HZDR- Sprecherin Christine Bohnet. 

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