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03.09.2012

14:36 Uhr

Neuer Stammbaum

Forscher ergründen Vielfalt der Insektenwelt

Ob Wanze oder Libelle, Silberfisch oder Käfer: Die Gruppe der Insekten ist so artenreich wie keine andere. Mit Hilfe des bisher größten Insekten-Stammbaumes wollen Forscher diese Vielfalt genauer unter die Lupe nehmen.

Der Arbeitsplatz des Zoologen und Doktoranden Rico Spangenberg am Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. dpa

Der Arbeitsplatz des Zoologen und Doktoranden Rico Spangenberg am Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

JenaDer Kopf einer Mooswanze ist so winzig, dass er auf einer Nadelspitze Platz hat. Doch in zweitausendfacher Vergrößerung auf dem Computerbildschirm von Rico Spangenberg ist jedes Detail sichtbar: die Form, die an einen Hammerhai erinnert, der lange Saugrüssel, die einzelnen Muskeln.

Die Forscher nutzen auch Animationsprogramme, die sich schon bei Filmen wie „Shrek“ und der Figur Gollum in „Der Herr der Ringe“ bewährt haben. Mit ihnen werden am Institut für spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena Aufnahmen von Mikrocomputertomographen zu 3-D-Bildern zusammengesetzt. Zusammen mit Bildern aus dem Rasterelektronenmikroskop ergeben sie eine optimale Dokumentation.

Die Jenaer Forscher um den Zoologen Rolf Beutel sind Teil des „1KITE“-Projekts, in dem Wissenschaftler mehrerer Länder nicht nur den bisher größten Insektenstammbaum erstellen. Sie wollen auch neue Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich die enorme Vielfalt entwickelt hat.

Rund eine Million Insekten sind weltweit beschrieben - die tatsächliche Zahl liegt nach Schätzung von Experten sogar zwischen fünf und zwanzig Millionen. Sie haben bis auf das Meer fast alle Lebensräume auf der Erde erobert. „Wir werden sehr viel besser verstehen, warum die Insekten so artenreich geworden sind“, sagte Beutel zur Bedeutung des Projekts.

Dafür wurden 1000 besonders wichtige Insektenarten aus der ganzen Welt zusammengetragen. Zoologe Beutel spricht von einer „exzellenten Auswahl“ mit vielen Exemplaren, an die nur sehr schwer heranzukommen sei. Seither analysieren die Experten des Bejing Genomics Institute in China, das das Fünf-Millionen-Euro-Großprojekt finanziert, deren Erbgut. Auf dieser Basis soll dann das Grundgerüst des Stammbaums erstellt werden. Nun sei etwa die Hälfte der 1000 Arten fertig - „Halbzeit sozusagen“, berichtet Beutel. Bis Ende 2013 sollen die Daten dann komplett vorliegen und veröffentlicht sein.

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