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27.04.2016

07:27 Uhr

Neuer Weltraumbahnhof

Raketenstart-Premiere in Wostotschny verschoben

Der eigentlich für Mittwoch geplante erste Start einer Rakete vom neuen russischen Weltraumbahnhof Wostotschny ist kurzfristig verschoben worden. Ein neuer Versuch soll am Donnerstag unternommen werden.

Transport der Sojus-2 zur Startrampe von Wostotschny. dpa

Weltraumbahnhof Wostotschny

Transport der Sojus-2 zur Startrampe von Wostotschny.

WostotschnyDer eigentlich für Mittwoch geplante erste Start einer Rakete vom neuen russischen Weltraumbahnhof Wostotschny ist kurzfristig um einen Tag verschoben worden. Wie die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos mitteilte, wurde der Startprozess, dem Staatspräsident Wladimir Putin beiwohnen wollte, automatisch abgebrochen. Die Sojus-Rakete soll drei wissenschaftliche Satelliten in der Erdumlaufbahn platzieren.
Roskosmos-Direktor Igor Komarow sagte vor Journalisten, das System habe sich zweieinhalb Minuten vor dem geplanten Start automatisch abgeschaltet. Ein menschliches Versagen sei ausgeschlossen, sagte Vizedirektor Andrej Iwanow. Ein neuer Versuch solle nun genau 24 Stunden später, am Donnerstag um 11.01 Uhr Ortszeit (04.01 Uhr MESZ), unternommen werden.

Die Pannenserie der russischen Raumfahrt

Mai 2015

Eine Proton-M-Trägerrakete mit einem mexikanischen Satelliten an Bord stürzt kurz nach dem Start über Sibirien ab.

April 2015

Eine Sojus-Trägerrakete versagt bei dem Versuch, einen Progress-Versorgungstransporter auf den Weg zur Raumstation zu bringen. Der außer Kontrolle geratene Transporter verglüht wenige Tage später in der Erdatmosphäre.

Februar 2013

Nur 20 Sekunden nach dem Start von einer schwimmenden Plattform im Pazifik stürzt eine Rakete mit einem Kommunikationssatelliten ins Meer. Experten vermuten, dass die russischen Antriebssysteme versagten.

August 2012

Durch einen Fehler bei der dritten Stufe der russischen Proton-Trägerrakete geraten ein russischer und ein indonesischer Satellit in eine falsche Umlaufbahn. Roskosmos kostet der Fehlstart rund 150 Millionen Euro.

Januar 2012

Die 120 Millionen Euro teure Marsmondsonde „Phobos Grunt“ stürzt unkontrolliert in den Pazifik. Eine Mischung aus menschlichem Versagen und technischen Fehlern soll die Ursache gewesen sein.

Januar 2012 - 2

Wegen einer undichten Landekapsel und einem Kurzschluss nach einem Kabelbruch verschiebt Russland zwei bemannte Weltraumflüge und den Start einer Trägerrakete mit einem Satelliten. Durch die Pannen müssen drei der sechs Crew-Mitglieder der Internationalen Raumstation ISS einen Monat länger als geplant im All bleiben.

Dezember 2011

Wegen einer fehlerhaften Zündung der dritten Stufe einer Sojus-Rakete verliert Russland einen militärischen Kommunikationssatelliten. Der „Meridian“-Satellit stürzt in Sibirien ab. Der Schaden wurde auf rund 50 Millionen Euro geschätzt.

August 2011

Ein unbemannter Versorgungstransporter mit 2,6 Tonnen Nachschub für die ISS stürzt ab. Kurz nach dem Start des Raumschiffs vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan traten Probleme mit der Zündung der dritten Stufe der Sojus-Trägerrakete auf. Erst wenige Tage zuvor war kurz nach dem Start von Baikonur der Kontakt zu einem Nachrichtensatelliten abgerissen. Der „Express AM-4“-Satellit stürzt im März 2012 in den Pazifik.

Dezember 2010

Wegen des Fehlstarts einer Proton-Rakete in Baikonur verliert Russland auf einmal drei Satelliten für sein geplantes Navigationssystem Glonass. Der Schaden wird auf mehrere 100 Millionen Euro geschätzt. Die Satelliten fallen in den Pazifik.

Das Kosmodrom Wostotschny im Osten Russlands soll die Abhängigkeit der russischen Raumfahrt von der früheren Sowjetrepublik Kasachstan verringern. Vom kasachischen Baikonur aus starten bislang die Sojus-Raketen mit Nachschub oder Raumfahrern an Bord zur Internationalen Raumstation (ISS). Russland muss eine hohe Miete an Kasachstan zahlen, um den Weltraumbahnhof nutzen zu dürfen.
Dies soll auch noch bis mindestens 2023 so weitergehen, sagte der für Raumfahrt zuständige Minister Dmitri Rogosin kürzlich.

In Wostotschny, 9000 Kilometer östlich von Moskau, soll in diesem Jahr nur eine Rakete starten. Das Kosmodrom war die größte Baustelle Russlands, in deren Zusammenhang es massive Korruptionsvorwürfe gab. Insgesamt soll der Bau umgerechnet bis zu 5,3 Milliarden Euro gekostet haben.
Putins Sprecher Dmitri Peskow teilte am Mittwochmorgen mit, der Präsident sei in der Region eingetroffen und habe sich zum Kosmodrom begeben, wo er auch vorerst bleiben wolle. Wie er auf die Verschiebung reagierte, war zunächst nicht bekannt.

Von

afp

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