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16.01.2007

12:16 Uhr

Neues Endoskop

Berliner Mediziner verbessern die Diagnose von Lungenkrebs

Dank eines neuen Endoskopie-Systems können Ärzte an der Charité jetzt bereits Vorstufen von Lungenkrebs erkennen. Das Gerät könnte vielen Rauchern das Leben retten, die ein besonders hohes Lungenkrebs-Risiko haben.

hsn DÜSSELDORF. Es verbindet die große Empfindlichkeit der Autofluoreszenzbronchoskopie mit der hohen Bildauflösung, die ein integrierter CCD-Chip bietet. Bisher war das Verfahren nur gekoppelt mit analoger Glasfasertechnik angewendet worden, die Bilder in viel schlechterer Qualität liefert.

Die Autofluoreszenzbronchoskopie nutzt die Tatsache, dass in menschlichen Zellen einige Substanzen auf die Anregung durch einfarbiges Licht mit eigenem Leuchten, also mit Autofluoreszenz, reagieren. In Tumorgewebe findet Autofluoreszenz allerdings nicht statt. Auf dem Bild, das sich am Ende ergibt, sind die Krebszellen als dunkler Fleck sichtbar.

Die Autofluoreszenzbronchoskopie ist weit aus empfindlicher als die lange eingesetzte Weißlichtbronchoskopie, die nicht das eigene Leuchten der Zellen aufzeichnet, sondern nur die normale Lichtreflexion. „Durch die Kombination aus Sensibilität und hoher optischer Qualität können wir doppelt so viele Frühveränderungen entdecken als bisher“, sagt Christian Witt, stellvertretender Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie am Charité Campus Mitte.

Das neue System ist sogar so empfindlich, dass Bereiche, die auf den Bildern dunkel erscheinen, noch keine äußerlich sichtbaren Veränderungen an den Zellen zeigen. „Bevor eine Körperzelle sich sichtbar zur Tumorzelle entwickelt, gehen innerhalb der Zelle Prozesse auf molekularer Ebene vor sich“, sagt Bernd Schmidt, der für die Charité an einer europäischen Vergleichsstudie zur Wirkung von Autofluoreszenzbronchoskopie im Vergleich zur Weißlichtbronchoskopie mitgearbeitet hat. Die Mediziner vermuten, dass die Autofluoreszenz bereits dadurch beeinträchtigt ist, so dass das neue System bereits Tumorvorstufen als solche erkennt, die morphologisch noch gar nicht identifizierbar sind“, sagt Schmidt.

Sollte sich diese Vermutung bestätigen, hätte das weit reichende Konsequenzen: Die Ärzte könnten Lungenkrebs nicht nur in einem viel früheren Stadium erkennen, sondern vielleicht sogar die zellbiologischen Prozesse entdecken, die zu der Veränderung normaler Körperzellen zu Tumorzellen führen.

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