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04.02.2015

14:06 Uhr

Neues Forschungszentrum

Ebola-Forschung im Hochsicherheitslabor

Deutschlands neuestes Hochsicherheitslabor steht mitten im Herzen Berlins. Auf dem Charité-Campus im Stadtteil Wedding sollen künftig hochgefährliche Erreger wie Ebola- oder Lassa-Viren erforscht werden.

Die Vollschutzanzüge der Mitarbeiter haben ihre eigene Sauerstoffversorgung: Über blaue Schläuche wird die Atemluft zugeführt. dpa

Arbeit im Hochsicherheitslabor

Die Vollschutzanzüge der Mitarbeiter haben ihre eigene Sauerstoffversorgung: Über blaue Schläuche wird die Atemluft zugeführt.

BerlinSo stellt man sich eine Raumstation vor. Edelstahl überall. Dicke Belüftungsrohre, die sich unter der Metalldecke entlangschlängeln, daneben Kabelstränge, Düsen für Wasserdampf und überall knallblaue Schläuche mit Ventilverschluss, die spiralförmig bis auf Kopfhöhe herabbaumeln: Hier zapfen sie ihre Atemluft, die künftigen Mitarbeiter des neuen Hochsicherheitslabors des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin.

Die am Dienstag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnete Anlage ist das dritte Labor dieser Sicherheitsstufe in Deutschland, neben dem Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg und einem Sicherheitsstufe 4-Labor in Marburg. Hochgefährliche Erreger wie Ebola- oder Lassaviren sollen künftig in den komplett abgeschotteten Räumen untersucht werden, schlimmstenfalls auch Substanzen bioterroristischer Angriffe – unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Wie sich Ebola verbreitet

Wann ist Ebola ansteckend?

Nur dann, wenn jemand bereits Symptome zeigt. Diese können allerdings unspezifisch sein. Die Krankheit kann mit Fieber, grippeähnlichen Schmerzen und Unterleibsschmerzen beginnen, später können Erbrechen und Durchfall folgen.

Wie breitet sich Ebola aus?

Durch Körperflüssigkeiten einer infizierten Person. Dazu zählen Blut, Schweiß, Erbrochenes, Urin, Kot, Speichel und Sperma. Diese Flüssigkeiten müssen bei einem anderen Menschen einen Eingangspunkt finden, sie können durch einen Schnitt oder Kratzer eindringen. Das Virus kann zudem weitergereicht werden, wenn jemand mit kontaminierten Händen die Nase, den Mund oder die Augen eines anderen berührt. Oder jemand wird mit den kontaminierten Flüssigkeiten angespritzt. Darum tragen Gesundheitsmitarbeiter Schutzhandschuhe und andere Schutzausrüstung.

Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, Blut, Stuhl und Erbrochenes seien die am stärksten ansteckenden Flüssigkeiten. In Speichel sei der Virus nur bei schwer erkrankten Menschen entdeckt worden, aus Schweiß sei er noch nicht entnommen worden.

Was passiert bei zufälligem Kontakt mit einem Infizierten?

Ebola wird nicht durch die Luft übertragen. Der Direktor der US-Seuchenbehörde (CDC), Tom Frieden, sagte, Menschen steckten sich nicht an, wenn sie beispielsweise nur in einem Bus neben einem Ebola-Patienten sitzen. „Es ist nicht wie bei der Grippe. Es ist nicht wie bei Masern, nicht wie bei der gewöhnlichen Erkältung. Es breitet sich nicht so aus“, sagte er.

Können Hunde das Virus übertragen?

Das weiß man noch nicht genau. Die Behörden schläferten den Hund der spanischen Krankenschwester ein, bei der Ebola diagnostiziert worden war. Es ist aber kein Fall dokumentiert, in dem jemals Ebola von einem Hund auf einen Menschen übertragen wurde. Aber es gibt eine Studie, nach der es möglich sein soll, dass Hunde Ebola bekommen können - ohne Symptome zu zeigen.

Wie wird vorgegangen, wenn ein Ebola-Verdacht besteht?

Die Krankenhäuser, die einen Verdachtsfall haben, informieren ihr Gesundheitsministerium oder die Seuchenbehörde. Dann wird eine Checkliste durchgegangen, um festzustellen, wie hoch das Risiko ist. So wird unter anderem gefragt, ob die Person von einem riskanten Kontakt mit einem bekannten Ebola-Patienten berichtet hat, wie krank sie ist und ob eine andere Diagnose wahrscheinlicher ist.

Die Vollschutzanzüge der Mitarbeiter haben ihre eigene Sauerstoffversorgung, die unabhängig von der gefilterten und ständig umgewälzten Raumluft ist. Immer dort, wo sie im Labor gerade arbeiten, stöpseln sie sich an einen der blauen Schläuche, der Atemluft in ihre Anzüge pumpt.

So sollte es zumindest sein. „Das ist jetzt der Vorführeffekt“, sagt Laborleiter Andreas Kurth, als eine Mitarbeiterin beim Vorführen des Schutzanzuges vergeblich von Schlauch zu Schlauch läuft und schließlich den Reißverschluss öffnet, um wieder Luft schnappen zu können. Damit solche Pannen im Laboralltag nicht passieren, wird die komplexe Technik zunächst monatelang auf den Prüfstand gestellt.

„Der technische Testbetrieb, in dem alles hier überprüft wird, auch die autarke und doppelte Strom- und Luftversorgung, wird wohl mindestens bis Ende 2015 dauern“, schätzt Kurth. Erst danach kann die Zulassung für einen Probebetrieb unter Bedingungen der Sicherheitsstufe 2, das heißt mit weniger gefährlichen Erregern, beantragt werden. Und ist dieser erfolgreich absolviert, geht die Arbeit an den hochgefährlichen Viren los.

Dazu hat das RKI seit Herbst 2010 mit rund 170 Millionen Euro Bundesmitteln einen imposanten, rot verklinkerten Neubau auf den Charite Campus im Wedding bauen lassen. Gleich neben die Sonderisolierstation des Virchow-Klinikums, wo erst jüngst ein Patient mit Ebola-Verdacht behandelt wurde.

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