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17.01.2007

21:39 Uhr

Nichtregierungsorganisationen

Einflussreiche Weltverbesserer

VonKerstin Schneider

Nichtregierungsorganisationen gibt es seit mehr als 100 Jahren. Doch Image und Selbstverständnis haben sich mit der Zeit gewandelt. Während früher Freizeitaktivisten und Ehrenamtliche dominierten, sind sie mittlerweile zu gesellschaftlich etablierten und finanzstarken Institutionen herangereift. Forscher untersuchen deshalb nun die Auswirkungen ihrer Nähe zur Macht.

Greenpeace-Aktivisten

Greenpeace-Aktivisten

BERLIN. Nächsten Mittwoch beginnt in Davos das Weltwirtschaftsforum (WEF), dann hofft Attac auf Schlagzeilen und Aufmerksamkeit. Seit Wochen wirbt die Nichtregierungsorganisation (NGO) im Netz für "Das Andere Davos", eine Anti-WEF-Konferenz in Zürich. Diskussionsthemen der Globalisierungskritiker sind "Euromärsche zu den Themen Migration und Prekariat" und "Mobilisierung gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm".

Attac mit knapp 100 000 Mitgliedern in 50 Ländern gehört wie die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, WWF oder Oxfam zu den großen, international agierenden NGOs. Ihren Bekanntheitsgrad verdanken sie vor allem spektakulären, öffentlichkeitswirksamen Aktionen - allen voran Greenpeace, die 1995 ihr Meisterstück an medienwirksamer Inszenierung ablieferten. Im Streit über die Bohrinsel Brent Spar gab der Ölmulti Shell nach langen Protestaktionen nach, und die Plattform wurde nicht in der Ostsee entsorgt. Heute machen humanitäre Organisationen mehr Schlagzeilen. NGOs helfen nach Naturkatastrophen oder Kriegen - oft dort, wo staatliche Stellen versagen.

Mit der wachsenden Macht der NGOs stieg die interne Diskussion über das weitere Vorgehen. Es änderte sich auch die Ausrichtung der sozialwissenschaftlichen Forschung über sie. Während es in den 90ern darum ging herauszufinden, welchen Einfluss die Organisationen in der Gesellschaft haben, steht heute die Frage im Vordergrund: Was macht der immense Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse mit den NGOs? Wie verändern sich ihre inneren Strukturen durch die große Nähe zur Macht?

Nichtregierungsorganisationen gibt es seit mehr als 100 Jahren. Sie waren schon beim Völkerbund aktiv. Doch Image und Selbstverständnis haben sich gewandelt: Früher dominierten Freizeitaktivisten und Ehrenamtliche. Der Kampf für ein übergeordnetes Ziel, das die Welt besser machen sollte, wurde stets von Idealisten getragen. Noch in den 80ern belächelte man sie als "little old housewifes in tennis shoes".

Erst seit der Uno-Weltkonferenz in Rio 1992 werden die NGOs als ebenbürtige Akteure und Partner der Zivilgesellschaft wahrgenommen. Beispiel Davos 2007: Dort werden nicht nur Globalisierungsgegner am Zaun stehen. Vertreter anderer NGOs sind unter den Gästen und diskutieren mit auf den Foren des WEF.

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