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04.09.2014

13:16 Uhr

Nigeria

WHO rechnet mit neuer Ebola-Welle

Während in Genf Experten der Weltgesundheitsorganisation über mögliche Ebola-Therapien beraten, droht in Nigeria eine neue Krankheitswelle: Schlüsselperson ist ein Arzt, der inzwischen selbst an der Krankheit starb.

Trotz aller Bemühungen der Helfer ist die Ebola-Epidemie in Westafrika bislang nicht aufzuhalten. Rund 1900 Menschen starben bislang an der Krankheit. AFP

Trotz aller Bemühungen der Helfer ist die Ebola-Epidemie in Westafrika bislang nicht aufzuhalten. Rund 1900 Menschen starben bislang an der Krankheit.

Port HarcourtIn Nigeria droht eine neue Welle von Ebola-Erkrankungen. In der Hafenstadt Port Harcourt im Südosten des Landes seien bisher drei Fälle bestätigt, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Entscheidend für die Verbreitung war demnach die Infektion eines Arztes, der nach seiner Erkrankung noch Patienten operierte und vermutlich mit Dutzenden Menschen Körperkontakt hatte.

Der Ausbruch in der Hafenstadt habe das Potenzial, sich schneller zu verbreiten als die Welle in der Metropole Lagos, wo das Virus zuerst auftrat, warnte die WHO. Bei dem Arzt, seiner Frau und einem Menschen in seiner Klinik wurde der Ebola-Erreger bestätigt.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Mehr als 200 Kontaktpersonen stünden unter Beobachtung, schreibt die WHO. Bei 60 davon besteht demnach ein hohes bis sehr hohes Infektionsrisiko. Port Harcourt hat einen Überseehafen und gilt als wichtige Ölstadt.

Das Ebola-Virus hatte Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, am 20. Juli mit einem Mann aus Liberia erreicht, der am Flughafen von Lagos zusammenbrach und fünf Tage später starb. Eine Kontaktperson des Mannes floh aus der Quarantäne in Lagos nach Port Harcourt, wo sie Anfang August in einem Hotel behandelt wurde.

Der behandelnde Arzt ist laut WHO eine Schlüsselperson für den weiteren Verlauf: Er entwickelte am 11. August erste Symptome, kam am 16. August in eine Klinik und starb sechs Tage später. Bestätigt wurde seine Ebola-Infektion erst am 27. August.

Der Mediziner könnte Dutzende Menschen angesteckt haben, befürchtet die WHO. Nach den ersten Krankheitssymptomen behandelte er noch zwei Tage lang Patienten in seiner Privatklinik und führte Operationen durch. Zudem kam er bei einer Geburtsfeier in seiner Wohnung mit vielen Menschen in Kontakt. Später im Krankenhaus vollzogen Mitglieder seiner religiösen Gemeinde ein Heilungsritual, das gewöhnlich mit Handauflegen einhergeht.

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