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19.01.2005

11:46 Uhr

Nur ein Viertel der Hypertoniker wird richtig behandelt oder nimmt die Medikamente regelmäßig

Ärzte und Kranke unterschätzen den Bluthochdruck

VonHans Schürmann (Handelsblatt)

Die Gefahr des Bluthochdrucks ist vielen Ärzten und Patienten nicht bewusst. „Es gibt zwar gute Medikamente, doch Ärzte wie Patienten nehmen die Krankheit nicht ernst genug“, sagt Thomas Unger, Professor am Klinikum Charité der Humboldt-Universität Berlin. Die Kollegen würden die Hypertonie oft nicht konsequent genug behandeln und viele Patienten brächten nicht die Ausdauer mit, die Medikamente über einen längeren Zeitraum einzunehmen.

DÜSSELDORF. Als Beleg für seine These verweist der Berliner Mediziner auf Untersuchungen in verschiedenen Ländern inklusive Deutschland, die zeigen, dass maximal 25 Prozent der Hypertoniker auf die empfohlenen Blutdruckgrenzwerte von 140/90 mmHg eingestellt sind. Bei höherem Blutdruck drohen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Die Hypertonie belastet das Gefäßsystem erheblich, weil die Wand der einzelnen Adern einem höheren Druck standhalten muss. Dabei können kleinste Risse in der Innenwand entstehen. Ein Reparatursystem des Körpers versucht zwar, die lädierten Stellen zu kitten. Der Preis ist jedoch, dass sich die Gefäßwand an diesen Stellen verdickt und verhärtet – ein Phänomen, das die Mediziner Arteriosklerose nennen. Weil das Blut an diesen verengten Stellen schlechter fließen kann, werden die nachfolgenden Organe oder Organabschnitte unterversorgt. Sind die Nierenarterien betroffen, drosseln die Nieren ihre Funktion – bis hin zum Versagen.

Mehr als 25 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter zu hohem Blutdruck, schätzt die Deutsche Liga zur Bekämpfung des Bluthochdrucks – rund sechs Millionen der Hypertoniker ahnen jedoch nichts davon. Das Tückische: Hypertonie verursacht im Anfangsstadium keine Beschwerden. Weil nur wenige Menschen ihren Blutdruck regelmäßig messen, wird eine Hypertonie meist zufällig bei einem Arztbesuch entdeckt.

Welcher medikamentöse Ansatz zur Behandlung des Bluthochdrucks gewählt wird, hängt von Alter, Geschlecht, Schweregrad der Hypertonie und Begleiterscheinungen wie Diabetes oder einem eventuell erhöhten Cholesterinspiegel ab. Blutdrucksenkende Medikamente setzen an verschiedenen Punkten im Körper an: Sie verringern die Flüssigkeitsmenge in den Blutbahnen, erweitern die Blutgefäße oder blockieren Körperreaktionen auf Stress.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Neuere Blutdrucksenker schonen auch die gefährdeten Organe

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