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13.06.2013

19:53 Uhr

Oberstes US-Gericht

Verbot von Patenten auf menschliches Erbgut

Eine Klage gegen Patente auf krebsauslösende Gene nimmt das Oberste US-Gericht zum Anlass, um eine Grundsatzentscheidung zu fällen. Menschliche DNA sei nicht patentierbar – das gilt aber nicht für nachgeahmtes Erbgut.

DNA-Modell: Patente auf menschliches Erbgut werden in den USA untersagt. dpa

DNA-Modell: Patente auf menschliches Erbgut werden in den USA untersagt.

WashingtonDas Oberste Gericht der USA hat Patente auf menschliches Erbgut in einer Grundsatzentscheidung verboten. Die menschliche DNA sei ein „Produkt der Natur“, das im Gegensatz zu künstlich nachgeahmtem Erbgut nicht patentiert werden könne, erklärte der Supreme Court am Donnerstag. Damit entschieden die Richter gegen das Unternehmen Myriad Genetics, das bislang Patente auf zwei krebsauslösende Gene hielt und exklusiv mehrere tausend Dollar teure Tests für diese Mutationen anbot.

„Naturgesetze“ und „Naturphänomene“ könnten ebenso wenig Patentschutz erhalten wie „fundamentale Werkzeuge der wissenschaftlichen und technologischen Arbeit“, entschieden die Richter. Ein Gen könne nicht einfach nur deswegen patentiert werden, „weil es isoliert wurde“, erklärten sie. Die neun Top-Juristen fällten ihre Entscheidung einstimmig.

Künstlich nachgeahmtes Erbgut könne aber sehr wohl patentiert werden, „da es nicht von der Natur hergestellt wird“. Die Aktien von Myriad Genetics schossen an der Wall Street nach der Urteilsverkündung bis zu zehn Prozent in die Höhe.

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In dem Verfahren ging es um das Pharmaunternehmen Myriad Genetics, das in den 90er-Jahren zwei krebsauslösende Gene isoliert und sich 1998 mehrere Patente auf dieses Erbgut gesichert hatte. Dies gab dem Unternehmen bislang die Möglichkeit, Tests für die Gene mit den Abkürzungen BRCA1 und BRCA2 exklusiv zu vermarkten. Die beiden Gene erhöhen das Risiko stark, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken.

Die Gene sollen bei der Diagnose genetisch bedingter Brustkrebsgefahr helfen. Der Supreme Court lobte die Entdeckung des Unternehmens als bahnbrechend und wichtig. Aber das reiche als Grundlage für ein Patent nicht aus.

Myriad Genetics hatte in dem Verfahren argumentiert, es habe nur wegen der Aussicht auf gute Gewinne die hohen Kosten für die Decodierung der Gene und die Entwicklung der Tests tragen können. Ein Anwalt des Unternehmens bezeichnete Gene zudem als „menschliches Konstrukt“.

Kommentare (2)

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yoski

13.06.2013, 17:48 Uhr

Genauso ein Unsinn wenn ich mir das Alphabet, die Zahlen oder Sauerstoff patentieren lasse.
Jedes mal wenn jemand Luft holt wird eine Gebuehr faellig.
Heute kann jedes mittelmaessig Labor Tests fuer diverse Genmutationen durchfuehren. Ausserdem wurden die Grundlagen dafuer unter Clinton in der 90er Jahren geschaffen. Alles finanziert durch Steuergelder. Ein Gen "entdecken" kann jeder der ein minimales Verstaendnis fuer DNA hat. Start = AUG und Stop = UAA, UGA, UAG, damit weiss man wo ein Gen anfaengt und aufheort. Bleibt nur zu hoffen das den Kriminellen Myrid-Betreibern bald diverse Millionen Klagen ins Hause stehen.

Cassandra

13.06.2013, 20:59 Uhr

Die Mayo Landmark Entscheidung hat doch bereits klar gelegt, dass ein natürliches Gesetz nicht patentierbar ist und auch die Anwendung dieses nicht, wenn sie eben kein innovatives Konzept ist, sondern lediglich das wiederspiegelt, was bereits bekannt und angewandt wird.

Myriad setzt da jetzt noch einen drauf. Die alte für den Menschen verständliche Welt mit seiner trivialen Machine and Transformation Sicht hat in dieser neuen Vorstellungswelt der Gene und Modele ausgedient.

Und es stellt sich im Anschluss von Myriad nun sehr wohl die Frage, was bedeutet hier künstlich nachgeahmtes Erbgut das patentierfähig sein soll? Wann genau fällt dann ein Claim unter natürliches (nicht patentier-fähiges) oder künstliches (patentier-fähiges) Genpatent?

Es ist sehr wohl bekannt, dass ausgelöste Änderungen auch im natürlichen Erbgut entsehen können, ist das also dann plötzlich ein künstliches Erbgut? Und das diese Anwendung von Änderungen bestimmte Effekte haben, ist auch hinlänglich bekannt. Ähnlich wie bei Mayo scheint man hier also die Anwendung von Naturgesetze nun "künstlich" als Innovation verkaufen zu wollen?

Schlimmer noch, am Ende sind wir wieder beim Philips Landmark angelangt. Wer würde bitte schön den klar umrissenen Schutzbereich dieses künstlichen Erbguts in der Patentschrift garantieren können? Ich sage nur Multifunktionalität bei Genen und das gilt natürlich auch für die künstliche Anwendung!

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