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20.01.2010

14:30 Uhr

OP-Simulator

Sprechende Totenköpfe in der Chirurgie

VonDietrich von Richthofen

Zwei Leipziger verkaufen mit ihrem Unternehmen Phacon High-Tech-Totenschädel made in Germany. Ausgestattet mit elektrischen Schaltkreisen und USB-Anschluss werden diese als Übungsobjekt für angehende Chirurgen benutzt. Und das mit Erfolg: Etwa eine halbe Million Euro setzte das Start-up im ersten Geschäftsjahr um.

Die Phacon-Gründer Ronny Grunert (l.) und Hendrick Möckel stellen Hight-Tech-Schädel aus Gips her. Pressebild

Die Phacon-Gründer Ronny Grunert (l.) und Hendrick Möckel stellen Hight-Tech-Schädel aus Gips her.

BERLIN. Mediziner auf der ganzen Welt kaufen bei ihnen Totenschädel ein. Doch Ronny Grunert und Hendrik Möckel vertreiben keine echten Leichenteile: Die anatomischen Modelle der Leipziger Unternehmer sind aus Gips. Angehende Chirurgen trainieren an ihnen schwierige Operationen. Auch die Vorbereitung besonders komplizierter Eingriffe - etwa die Entfernung eines Hirntumors durch die Nase - machen die Schädel möglich.

Ein wenig makaber wirkt die Deko im Firmensitz des Unternehmens Phacon dennoch. In den Regalen liegen zwischen Büchern und Topfpflanzen diverse Knochenteile und ganze Schädel. "Die kommen frisch aus dem Drucker", sagt Möckel und zeigt auf eine Charge Nasenbeine.

Knochen aus dem Drucker? Möglich macht das die sogenannte Rapid-Prototyping-Technologie, die im Schichtdruckverfahren komplexe Strukturen aus Gips und Bindemittel fertigt. Ein Spezial-Harz härtet das Resultat aus - und das wird dann tatsächlich beinhart.

Für einen kompletten Schädel braucht ein 3D-Drucker ein paar Stunden. Damit ist die Arbeit aber nicht getan. Grunert zeigt auf das Innenleben des Schädels, den er zur Demonstration auf dem Konferenztisch platziert hat. Man sieht dünne Kabel, über einigen Stellen klebt eine Art Kupferfolie. "Die elektrischen Schaltkreise fügen wir nachträglich in Handarbeit ein", sagt Grunert. High-Tech-Totenschädel - made in Germany.

Der Schädel gibt Rückmeldung

Der Sinn der Verkabelung wird schnell klar, als Grunert mit einer chirurgischen Fräse eine der Folien berührt. "Lamina orbitalis injured", quäkt es sofort aus dem per USB-Kabel angeschlossenen Laptop. Die Lamina orbitalis - eine hauchdünne Knochenwand zwischen Nasen- und Augenhöhle - wurde zerstört. "Verletzt ein Chirurg eine Risikostruktur, gibt es sofort Rückmeldung", sagt Grunert.

Der Bildschirm zeigt das 3D-Modell des Schädels und die Stelle der Verletzung an. Eine Webcam erfasst die Bewegungen der OP-Instrumente und projiziert sie in das Bild - das sei "wichtig, um die Hand-Auge-Koordination zu verbessern", sagt Möckel.

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