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22.01.2016

02:38 Uhr

Oxytocin

Forscher entdecken Mäuse mit Mitleid

"Survival of the Fittest"? Unter Tieren mag zwar der Stärkere überleben, aber selbst Nagetiere zeigen Mitgefühl. Das wiesen US-Forscher nach. Bei der Nutzung dieses Wissens für den Menschen steht ein Hormon im Fokus.

Fellpflege zum Trost: Präriewühlmäuse zeigen im Laborversuch ein weiches Herz. (Foto: Emory University/dpa) dpa

Präriewühlmäuse

Fellpflege zum Trost: Präriewühlmäuse zeigen im Laborversuch ein weiches Herz. (Foto: Emory University/dpa)

WashingtonBei Hunden, Delfinen und Elefanten ist bereits bekannt, dass sie Mitgefühl zeigen, wenn ein nahestehender Artgenosse gestresst ist. Nun haben Forscher dies auch für Nager nachgewiesen.

Die Präriewühlmaus zeige ein ähnliches Verhalten, heißt es in einer am Donnerstag vom US-Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlichten Studie. Die Ergebnisse könnten demnach dabei helfen, die Entstehung von Autismus und Schizophrenie beim Menschen besser zu verstehen.

Forscher des Yerkes National Primate Research Centers der Emory Universität im US-Bundesstaat Georgia hatten für die Studie zusammenlebende Präriewühlmäuse getrennt und einer von ihnen leichte Elektroschocks verpasst. Danach brachten sie die Tiere wieder zusammen. Sofort habe der zurückgelassene Nager mit der Fellpflege bei seinem Artgenossen begonnen.

Dies sei nicht nur sofort erfolgt, sondern habe auch länger gedauert als die übliche Fellpflege bei Tieren, die getrennt waren, aber keinen Stress erlitten hätten, erläuterten die Forscher. Präriewühlmäuse, die sich nicht gekannt hätten, hätten kein Mitgefühl gezeigt.

Tests mit dem Bindungshormon Oxytocin

In weiteren Tests blockierten die Wissenschaftler das Bindungshormon Oxytocin bei Tieren, die sich kannten. Sie setzten zwar die normale Fellpflege fort, trösteten sich dann aber nicht mehr ausgiebig.

Ein Ko-Autor der Studie, Larry Young, erklärte, die Ergebnisse deuteten auf eine potenzielle Rolle des Neurotransmitters Oxytocin bei der Behandlung von Autismus hin, es müsse aber noch weiter geforscht werden. Ein weiterer Ko-Autor der Studie ist Frans de Waal, der 1979 erstmals das Trösten bei Schimpansen nachgewiesen hatte.

Von

afp

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