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09.09.2012

20:30 Uhr

Paralympics

Kräftemessen der Technik

Bei den Paralympics stehen nicht nur die Athleten im Fokus, sondern mehr denn je auch die Technik. Hightech-Prothesen lassen Sprinter immer schneller laufen, Handbikes ähneln immer mehr Formel-1-Wagen.

Das Handbike von Alessandro Zanardi ist ein Hightech-Gerät, ohne das diese Leistungen nicht möglich wären. dpa

Das Handbike von Alessandro Zanardi ist ein Hightech-Gerät, ohne das diese Leistungen nicht möglich wären.

LondonNicht nur wegen des Namens Zanardi weht ein Hauch von Formel 1 über die paralympische Rennstrecke in Brands Hatch. Das Handbike, in dem der Italiener zur Goldmedaille im Zeitfahren gerast ist, wirkt eher wie Motorsport denn Fahrradfahren. Die Sitzschale, in der der beinamputierte Ex-Pilot steckt, könnte auch die Frontpartie eines Rennboliden sein.

Alessandro Zanardis Gefährt spiegelt ein Phänomen der Paralympics wider: Die Behindertenspiele in London sind neben dem Kräftemessen von Athleten auch ein Wettkampf um die beste Technik - Tüfteln scheint für den Erfolg ebenso wichtig wie Training.

„Viele haben mich belächelt, weil ich so viel an meiner Prothese herumschraube“, erzählte Sprinter Heinrich Popow nach seinem dritten Platz über 200 Meter. Der am linken Oberschenkel amputierte Athlet hatte dort auf der ungeliebten Innenbahn antreten müssen, und schon am Vorabend seines Rennens heftig gestöhnt. Dann aber legte er am Karbonbein noch einmal Hand an - mit Erfolg. „Hätte ich es nicht kürzer gemacht, wäre es nicht Bronze geworden“, ist sich der Leverkusener sicher.

Die Länge von Prothesen wurde vor allem durch den bekanntesten Behindertensportler dieser Spiele, Oscar Pistorius, zum Streitthema. Der Südafrikaner beklagte sich über die Länge der Lauffedern von Alan Oliveira, die diesem den 200-Meter-Sieg verschafft hätten. Das Internationale Paralympische Komitee sah keinen Regelverstoß, Pistorius musste sich entschuldigen, die Fairness-Debatte aber blieb.

Über solch einen Zentimeterstreit kann manch ein Mechaniker bei Ottobock nur schmunzeln. Der niedersächsische Prothesenbauer betreibt im paralympischen Dorf eine Werkstatt mit 78 Orthopädie-Technikern, Athleten aus aller Welt können sich dort kostenlos ihre Prothesen oder Rollstühle reparieren lassen.

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