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25.01.2016

12:46 Uhr

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis

Ein Allzweckschneider für Gene

Sie gelten als heiße Nobelpreis-Kandidatinnen, doch jetzt haben Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna erst einmal einen anderen renommierten Preis abgeräumt – mit einer nicht ganz unproblematischen Entwicklung.

Die Französin gilt als Shootingstar der Wissenschaft. ap

Emmanuelle Charpentier

Die Französin gilt als Shootingstar der Wissenschaft.

Frankfurt/Berlin/BraunschweigDas „Time Magazine“ zählte sie 2015 zu den hundert einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt, für das Fachjournal „Science“ war ihre Erfindung der wissenschaftliche Durchbruch des vergangenen Jahres. Nun bekommen Emmanuelle Charpentier (47) und Jennifer A. Doudna (51) den renommierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis – für sie eine Auszeichnung unter vielen.

Urkunde und das Preisgeld in Höhe von insgesamt 100 000 Euro werden am 14. März in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Ausgezeichnet werden die beiden Frauen für die Entwicklung einer programmierbaren Schere zum Zerteilen von Genen – eine Erfindung, die einige ethische Fragen aufwirft.

Charpentier gilt als Shootingstar der Wissenschaft. Nach Stationen in den USA, Österreich, Schweden und Braunschweig arbeitet die Mikrobiologin seit Oktober 2015 am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Die US-Amerikanerin Doudna ist Biochemikerin und Professorin an der University of California in Berkeley.

An die Wahl-Berlinerin kommt man nur noch schwer heran. Charpentier lässt sich inzwischen von einer PR-Agentur vertreten, damit ihr die Interviewanfragen aus aller Welt nicht über den Kopf wachsen. In Braunschweig ging das noch: Charpentier kam zum Interview in Jeans, Blazer und Halstuch.

Der Fotograf wollte sie lieber mit Kittel und Bakterienkultur ablichten, aber die Französin weigerte sich. Schließlich sei das Labor nicht ihr typischer Arbeitsplatz. Die Tage, an denen sie selbst Experimente macht, hat sie hinter sich gelassen.

Charmant und witzig ist sie, doch bei ethischen Fragen wird sie schnell sehr ernst. Entschieden lehnte sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa die Anwendung der Genschere bei menschlichen Spermien, Eizellen oder Embryonen ab. „Ich finde das nicht gut. Für mich ist die Frage: Warum? Welchen Zweck hat es, menschliche Keimbahnzellen zu manipulieren?“

In der Tat ist das Werkzeug ethisch nicht unproblematisch. Die Allround-Schere ermöglicht es, das Erbgut sämtlicher Organismen – Bakterien, Tiere, Pflanzen und Menschen – zu verändern. Während zuvor jeweils spezialisierte Werkzeuge kreiert werden mussten, funktioniert das neue Verfahren mit der immer gleichen Schere. Forscher können damit Gene ausschalten, defekte durch korrekte DNA-Teile ersetzen oder neue Gensequenzen einfügen.

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