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17.02.2004

11:30 Uhr

Pharmabranche belebt mit neuen Depot-Wirkstoffen lange bekannte Technologie

Medikamente wirken im Zeitlupentempo

VonVlad Georgescu (Handelsblatt)

Mit der Entwicklung so genannter Depot-Medikamente versuchen viele Pharmaunternehmen, sich ein neues wachstumsstarkes Marktsegment zu erschließen. MediGene beispielsweise gelang es als erstem deutschen Biotech-Unternehmen, vom zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Zulassung für ein entsprechend wirkendes Präparat gegen Prostatatumore zu erhalten.

DÜSSELDORF. Der dabei eingesetzte Wirkstoff verspricht Schmerzlinderung für die betroffenen Patienten – und er gelangt über die Depottechnologie ganz ohne täglichen Nadelstich in den Organismus. „Der eigentliche Wirkstoff heißt Leuprorelin und wird in Europa unter dem Namen Enantone, in den USA als Lupron gehandelt“, sagt Pharma-Experte Klaus H. Nagels vom Principal Life Science Sector der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young (CGEY).

Das Prinzip der Depottechnologie: Der eigentliche Wirkstoff befindet sich in einer speziellen so genannten Formulierung. Diese Formulierung ist ein Pulver, das vor der Injektion in den Körper mit etwas Wasser aufgeschwemmt und anschließend mit einem einzigen Stich injiziert wird. Direkt am Injektionsort bildet es kleine, kugelförmige Gebilde, die sich mit der Zeit auflösen. „Diese Mikrokugeln sind aus bioabbaubaren Kunststoffen, in denen der Wirkstoff fein verteilt ist“, sagt Sergio Freitas, Forscher an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ).

Ursprünglich stammt dieses Material aus der Chirurgie, wo es als bioabbaubares Nahtmaterial bereits seit mehr als 25 Jahren bekannt ist. Durch die jeweilige Zusammensetzung des molekularen „Verpackungsmaterials“ lässt sich der Abbau der Wirkstoffe genau einstellen. Formulierungen können so die enthaltenen Wirkstoffe entweder über einen, zwei, drei oder sogar sechs Monate hinweg an die umliegenden Zellen abgeben.Mit der Depot-Technologie ist es auch möglich, mehrere Wirkstoffe im Körper zielgenau anzureichern: „Wir haben einen Depot-Impfstoff entwickelt, der vor vier Krankheiten gleichzeitig schützt, nämlich vor Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus und einer Form der Hirnhautentzündung“, sagt Bruno Gander von der ETHZ.

Die schon seit längerem bekannte Depottechnologie hat mittlerweile einen Wettlauf der internationalen Pharma- und Biotechkonzerne um die besten Depot-Medikamente entfacht.

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