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03.10.2017

15:28 Uhr

Physik-Nobelpreis

Auszeichnung für Entdecker der Gravitationswellen

VonHelmut Steuer

Es ist die höchste Auszeichnung für Wissenschaftler: Drei Amerikaner bekommen den Physik-Nobelpreis. Sie haben entscheidenden Anteil an der Entdeckung der Gravitationswellen – und öffnen damit einen Blick ins Universum.

Nobelpreis in Physik

Gravitationswellen-Wissenschaft im All wird ausgezeichnet

Nobelpreis in Physik: Gravitationswellen-Wissenschaft im All wird ausgezeichnet

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StockholmDer Physik-Nobelpreis 2017 wird den drei Amerikanern Rainer Weiss, Barry C. Barrish und Kip S. Thorne verliehen. Der gebürtige Deutsche Weiss erhält die eine Hälfte des Preises, die andere Hälfte teilen sich Barrish und Thorne. Sie erhalten den Preis für ihren „entscheidenden Beitrag für den LIGO-Detektor und die Entdeckung der Gravitationswellen“, heißt es in der Begründung des Nobel-Komitees.

Die Entdeckung der Gravitationswellen wurde am 14. September 2015 gemacht. Allerdings gaben die Wissenschaftler ihre Entdeckung erst im Februar vergangenen Jahres bekannt. Die Gravitationswellen, deren Existenz Albert Einstein bereits vor hundert Jahren vorhergesagt hatte, wurden am LIGO-Detektor in den USA nachgewiesen. Dort arbeiten mehr als 1000 Wissenschaftler aus mehr als 20 Ländern.

Die Gravitationswellen, die bei der Entstehung schwarzer Löcher und bei Explosionen von Sternen entstehen können, hatte Einstein bereits 1916 vorhergesagt. Durch den Nachweis erhoffen sich Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Entstehung unserer Welt. Sie werden auch als Fenster zum Universum bezeichnet. Die jetzt ausgezeichneten Wissenschaftler haben seit fast 50 Jahren an dem Nachweis des Phänomens gearbeitet.

Die Physik-Nobelpreisträger seit 2007

Verleihung seit 1901

Der Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Die erste Auszeichnung erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der „X-Strahlen“, der später nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre beschäftigten sich mit Dingen von LEDs bis zum Weltall.

2007

Peter Grünberg (Deutschland) und Albert Fert (Frankreich) für die Entdeckung des „Riesenmagnetowiderstands“, durch den sich die Speicherkapazität von Computer-Festplatten drastisch erhöhen ließ.

2008

Yoichiro Nambu (USA), Makoto Kobayashi (Japan) und Toshihide Maskawa (Japan) für die Entdeckung und Erklärung sogenannter Symmetriebrechungen in der Teilchenphysik, die das Verständnis der Natur entscheidend verbessert haben.

2009

2009: Charles Kao (China), Willard Boyle und George Smith (beide USA) für die schnelle Datenübertragung durch Glasfasern sowie für den lichtempfindlichen CCD-Chip.


2010

Der Niederländer Andre Geim und der britisch-russische Physiker Konstantin Novoselov für ihre Arbeiten zu Graphen. Das einlagige Gitter aus Kohlenstoffatomen leitet hervorragend Hitze und Strom.

2011

Saul Perlmutter, Adam G. Riess (beide USA) und Brian P. Schmidt (USA und Australien) für die Beobachtung, dass sich das All derzeit immer schneller ausdehnt.

2012

Serge Haroche aus Frankreich und David Wineland aus den USA für Fallen, mit denen sich geladene Teilchen (Ionen) und Licht (Photonen) einfangen lassen. Sie schufen damit Grundlagen für genauere Uhren und grundsätzlich neue Computer.

2013

Der Belgier François Englert und der Brite Peter Higgs für die Vorhersage des Higgs-Teilchens.

2014

Die gebürtigen Japaner Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura für die Erfindung hocheffizienter Lichtquellen. Die blau leuchtenden Dioden ermöglichen helle und energiesparende LEDs.

2015

Der Japaner Takaaki Kajita und der Kanadier Arthur McDonald. Sie hatten nachgewiesen, dass Neutrinos eine Masse besitzen. Die winzigen neutralen Elementarteilchen durchströmen das All und selbst Mauern.

2016

Die gebürtigen Briten David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz. Sie haben exotische Zustände beschrieben, die eine Relevanz für Quantencomputer und neue Materialien haben könnten.

Rainer Weiss (85) wurde in Berlin geboren, floh aber mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten 1938 über Prag in die USA, wo er seitdem lebt und arbeitet. Der 81-jährige Barrish forschte am California Institute of Technology. Thorne (77) lehrte ebenfalls am California Institute of Technology in Pasadena.

Weiss, der den Anruf des Nobelkomitees mitten in der Nacht erhielt, schien die frohe Botschaft erwartet zu haben. „Mir geht's gut, ich war sogar angezogen als es klingelte“, sagte er am Telefon. Auch sein Kollege Barrish zeigte sich nicht überrascht, das er zusammen mit seinen Kollegen den Physiknobelpreis erhalten hat. „Ich stellte mir den Wecker, sodass ich wach war als der Anruf kam“, erklärte er gegenüber dem Schwedischen Radio. „Die Chance, dass wir ausgezeichnet würden, war relativ groß.“

Rainer Weiss (l.) und Kip Thorne bei einer Pressekonferenz im Februar 2016. Die beiden haben entscheidend zur Entdeckung von Gravitationswellen beigetragen. dpa

Die Nobelpreisträger

Rainer Weiss (l.) und Kip Thorne bei einer Pressekonferenz im Februar 2016. Die beiden haben entscheidend zur Entdeckung von Gravitationswellen beigetragen.

Im vergangenen Jahr wurden die britischen Forscher David J. Thouless, F. Duncan M. Haldane und J. Michael Kosterlitz für ihre Arbeiten über exotische Materiezustände ausgezeichnet. Die Forschung der drei Physiker, die alle in den USA arbeiten, kann für die Materialwissenschaft und die Elektronik von großer Bedeutung sein. Vor zehn Jahren, 2007, hatte mit Peter Grünberg zuletzt ein deutscher Wissenschaftler den Physiknobelpreis erhalten.

Bereits am Montag waren die drei Amerikaner Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young für ihre Forschung zur Funktion der inneren Uhr mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet worden.

Innere Uhr: Medizinnobelpreis geht an US-Forscher

Innere Uhr

Medizinnobelpreis geht an US-Forscher

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die Amerikaner Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young, für Arbeiten zur Funktion und Kontrolle der Inneren Uhr.

Am Mittwoch folgt die Bekanntgabe des Chemienobelpreisträgers. Der Literaturpreisträger wird am Donnerstag präsentiert. Die Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers findet traditionell nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo statt. Das hatte der Stifter des Preises, der schwedische Industrielle Alfred Nobel, in seinem Testament so verfügt. Am Montag folgt dann noch die Bekanntgabe des Wirtschaftspreises, der nicht von Nobel gestiftet wurde, sondern erst später dazu kam.

Dotiert sind die Auszeichnungen in diesem Jahr mit neun Millionen Kronen, rund 933.000 Euro. Sie werden am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, in Stockholm und Oslo überreicht.

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