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06.12.2011

16:20 Uhr

Physiknobelpreisträger Schmidt

„Was vor dem Urknall war, fragen mich die Leute ständig“

VonRalf Nestler
Quelle:Tagesspiegel

Für die Erforschung des Alls erhält Brian Schmidt den Physiknobelpreis 2011. Für die Karriere umziehen, will er nicht. In der Freizeit bestellt er seinen Haus-Weinberg.

US-Physiker Biran Schmidt vor dem Mount-Stromlo-Observatorium in Canberra (Australien). Reuters

US-Physiker Biran Schmidt vor dem Mount-Stromlo-Observatorium in Canberra (Australien).

Was hat sich in Ihrem Leben verändert, nachdem Sie Anfang Oktober jenen bedeutsamen Anruf aus Stockholm erhielten, wonach Sie einer der Physiknobelpreisträger sein werden?

Brian Schmidt: Ich war schon zuvor ziemlich beschäftigt, aber das Arbeitspensum jetzt ist verrückt. Früher habe ich jeden Tag um die 100 Mails bekommen, jetzt sind es 450, das ist echt hart. Andererseits treffe ich auch Leute wie Minister oder die Premierministerin, die sich für meine Arbeit interessieren. Ob ich mich als Person verändert habe? Am ersten Tag war ich schon ausgeflippt, aber eigentlich bin ich Brian geblieben, da hat sich nichts verändert. Und so soll es auch bleiben.

Sie wollen also weiter ihren Forschungen an der National University in Canberra nachgehen?

Angebote aus dem Ausland hatte ich auch schon vor der Nobelpreisbekanntgabe immer wieder bekommen, aber ich bin glücklich hier. Meine Frau hat einen guten Job, wir haben eine Farm und einen Weinberg, das sind Dinge, die will ich nicht ändern. Ich habe mich vorher schon gefragt: Was würde mich zu einem Umzug bewegen? Das wäre höchstens so etwas wie eine Bombe, die vom Himmel fällt. Aber es wäre nichts Positives, was mich hier wegbringt.

Sie haben einen eigenen Weinberg?

Außerhalb von Canberra, gut ein Hektar. Dort wächst Pinot Noir, auf Deutsch sagt man Spätburgunder. Ich genieße es, draußen zu arbeiten, meine Hände zu benutzen, etwas ganz anderes zu tun als während des Tages.

Die Physik-Nobelpreisträger seit 2001

2010

Der Niederländer Andre Geim und der britisch-russische Physiker Konstantin Novoselov für ihre Arbeiten zu dem "Wundermaterial" Graphen. Das einlagige Gitter aus Kohlenstoffatomen leitet hervorragend Hitze und Strom.

2009

Charles Kao (China), Willard Boyle und George Smith (beide USA) für die schnelle Datenübertragung durch Glasfasern sowie für den lichtempfindlichen CCD-Chip.

2008

Yoichiro Nambu (USA), Makoto Kobayashi (Japan) und Toshihide Maskawa (Japan) für die Entdeckung und Erklärung sogenannter Symmetriebrechungen in der Teilchenphysik, die das Verständnis der Natur entscheidend verbessert haben.

2007

Peter Grünberg (Deutschland) und Albert Fert (Frankreich) für die Entdeckung des „Riesenmagnetowiderstands“, durch den sich die Speicherkapazität von Computer-Festplatten drastisch erhöhen ließ.

2006

John C. Mather und George F. Smoot (beide USA) für die Entdeckung der Saat der Galaxien in der kosmischen Hintergrundstrahlung, dem „Echo des Urknalls“.

2005

Roy J. Glauber (USA) für Grundlagen der Quantenoptik sowie John L. Hall (USA) und Theodor W. Hänsch (Deutschland) für die Entwicklung einer laserbasierten Präzisionsmesstechnik für Lichtfrequenzen.

2004

David J. Gross, H. David Politzer und Frank Wilczek (alle USA) für Erkenntnisse zur Kraft zwischen den kleinsten Materieteilchen im Atomkern, den Quarks.

2003

Alexej Abrikosow (USA und Russland), Vitali Ginsburg (Russland) Anthony Leggett (USA und Großbritannien) für bahnbrechende Arbeiten zu Supraleitern und Supraflüssigkeiten.

2002

Raymond Davis (USA), Masatoshi Koshiba (Japan) und Riccardo Giacconi (USA) für die Entdeckung kosmischer Röntgenstrahlen und Neutrinos.

2001

Wolfgang Ketterle (Deutschland), Eric A. Cornell (USA) und Carl E. Wieman (USA) für die Erschaffung des Bose-Einstein- Kondensats, der fünften Erscheinungsform der Materie neben fest, flüssig, gasförmig und dem Plasma.

Und Sie erledigen die Arbeiten selbst?

Ich gehe raus und spritze, schneide die Pflanzen zurück, je nachdem was zu tun ist. Meine Familie hilft natürlich auch. Bei der letzten Ernte haben wir eine große Party mit Freunden und Kollegen vom Mount-Stromlo-Observatorium veranstaltet, die haben alle bei der Beerenlese geholfen. Ich habe die Trauben dann gepresst, da kommen schon einige Arbeitsstunden zusammen. Wir füllen auch selber ab, so um die 3.000 Flaschen pro Jahr. Das ist nicht viel, aber es soll auch nicht mehr werden. Wäre die Anbaufläche größer, könnte ich nicht mehr alles selber machen. Dann aber würde der Entspannungseffekt verloren gehen.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

06.12.2011, 16:39 Uhr

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"Was vor dem Urknall war, fragen mich die Leute ständig"


Ich frage,

Wo ist der Anfang des Äquators ?

Ich meine das natürlich so, daß der Fragende seine Frage erst verstehen muß, bevor er überhaupt eine Antwort erwarten darf.
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Account gelöscht!

06.12.2011, 17:26 Uhr

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Wenn aber schon der Fragende seine Frage nicht versteht,
wie soll der Befragte eine "Richtige", "Falsche" oder auch nur eine Ungefähre Antwort darauf geben ?

Versteht das alles überhaubt der Leser bzw. Zuhörer, wenn er den Beiden zuhört ?


Eine Gesellschaft voller Irrer, wo ab und zumal der ""Gebildedste"" unter Ihnen zum Schluß kommen muß:

"Ich kann es nicht testen, also habe ich keine Meinung dazu"

Alle andere fühlen sich dann bestätigt in der Annahme: "Ich bin doch nicht Blödeste. Ansonsten bin ich grundsätzlich intelligent"
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Oma

06.12.2011, 19:12 Uhr

Erst einmal muss der Urknall bewiesen sein. Schon da fängt die Spekulation an, denn Einstein lag daneben wie wir heute wissen.

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