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11.01.2011

14:50 Uhr

Planck-Satellit

14 Milliarden Jahre kosmischer Geschichte

In Paris haben Wissenschaftler die ersten Ergebnisse der Planck-Surveyor-Satellitenmission vorgestellt. Die Mission soll Einblicke in die frühesten Momente des Universums vor 14 Milliarden Jahren ermöglichen. Die Zwischenbilanz liest sich imponierend.

Von Planck aufgenommene Himmelskarte im Mikrowellenlicht. Quelle Esa ESA

Von Planck aufgenommene Himmelskarte im Mikrowellenlicht. Quelle Esa

HB DÜSSELDORF. Die Planck-Konferenz, die diese Woche in Paris stattfindet, steht ganz im Zeichen der beeindruckenden Ergebnisse, zu denen die „Planck Surveyor“-Satellitenmission bereits in ihrem ersten Betriebsjahr geführt hat: ein Katalog von 15 000 Himmelsobjekten wie Galaxienhaufen, Quasare, Radiogalaxien, Nachbargalaxien und galaktischen Staubwolken, 25 Fachartikel, sowie die bisher genaueste Vermessung des fernen Infrarothintergrundes, welcher die Sternenbildung im frühen Universum anzeigt.

Schon der Anfang der Mission verlief vielversprechend: Nach einer über 10-jährigen Vorbereitungsphase konnte die europäische Planck-Kollaboration einen Bilderbuchstart des Planck-Satelliten verfolgen. Pünktlich zur Ankunft des Satelliten an seinem Arbeitsplatz, etwa 1.5 Millionen Kilometer außerhalb der Erdumlaufbahn, waren im Sommer 2009 dann auch die empfindlichen Instrumente auf ihre Arbeitstemperatur von teilweise nur 0.1 Grad über dem absoluten Nullpunkt abgekühlt worden.

Die ersten Sekunden des Weltalls

Damit können sie nicht nur die 2.7 Kelvin kalte Reststrahlung des Urknalls sehen, den kosmischen Mikrowellenhintergrund, sondern auch dessen Temperaturvariationen von einigen Millionstel Grad genau kartographieren. Diese Temperaturschwankungen sind die ersten Zeugen der Entstehung aller beobachtbaren Strukturen im Universum, wie Sterne, Galaxien und Galaxienhaufen. Der Planck-Satellit kann zwar nur bis zu einer Zeit etwa 380 000 Jahre nach dem Urknall zurückblicken, seine Daten ermöglichen aber Rückschlüsse auf die allerersten Sekundenbruchteile des Weltalls, in denen vor etwa 14 Milliarden Jahren die späteren kosmischen Strukturen bereits angelegt wurden.

Mittlerweile hat Planck den Himmel dreimal komplett durchmustert und somit sein Plansoll erreicht. Da der Satellit aber auch weiterhin hervorragend funktioniert, wird er vermutlich bis Anfang 2012 in Betrieb sein und weitere Daten liefern. Die Ergebnisse, die die Wissenschaftler durch die Daten des ersten Jahres gewonnen haben, wurden am heutigen Dienstag (11. Januar) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zentrales Ergebnis ist der „Early Release Compact Source Catalogue“, eine Zusammenstellung von etwa 15.000 kompakten Himmelsobjekten. Die frühe Herausgabe dieses Katalogs erlaubt es Wissenschaftlern mit anderen Teleskopen, zum Beispiel mit dem im gleichen Wellenlängenbereich messenden Herschel-Weltraumteleskop, detaillierte Nachfolgebeobachtungen zu unternehmen. „Der Katalog enthält außer den heute bekanntgegebenen Entdeckungen das Rohmaterial für zahlreiche weitere“, so David Southwood, Direktor für Wissenschaft und Robotische Exploration bei der europäischen Raumfahrtbehörde Esa.

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