Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.11.2012

13:55 Uhr

Planetenforschung

Ein kosmischer Einzelgänger

Lost in space: Dieser Planet kreist um keine Sonne. Der Himmelskörper, den Astronomen in etwa 100 Lichtjahren Entfernung zur Erde aufgespürt haben, gehört zu einer seltenen Familie kosmischer Einzelgänger.

Diese künstlerische Darstellung zeigt den frei beweglichen Planeten CFBDSIR J2149 – das unserem Sonnensystem nächste derartige Objekt. ESO

Diese künstlerische Darstellung zeigt den frei beweglichen Planeten CFBDSIR J2149 – das unserem Sonnensystem nächste derartige Objekt.

DüsseldorfGleich zwei Hochleistungsteleskope mussten Astronomen bemühen, um einem seltenen kosmischen Einzelgänger auf die Spur gekommen. Anhand von Daten des Very Large Telescope der europäischen Südsternwarte ESO und des Canada-France-Hawaii Telescope konnte das Team um Philippe Delorme vom Institut für Planetologie und Astrophysik in Grenoble eine Planeten aufspüren, der ohne einen Mutterstern durch das Weltall vagabundiert. Mit einer Entfernung von etwa 100 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem ist er der nächstgelegene Vertreter dieser seltenen Planetenklasse und entsprechend gut für irdische Beobachtungsinstrumente zu untersuchen.

CFBDSIR2149 –so die wissenschaftliche Bezeichnung des Himmelskörpers – bewegt sich in dieselbe Richtung wie eine Ansammlung nahegelegener junger Sterne, die unter dem Namen AB-Doradus-Bewegungshaufen bekannt ist. Da er auch nahezu die gleiche Geschwindigkeit aufweist, vermuten die Wissenschaftler, dass der Planet einst in diesem Haufen entstanden ist. Damit dürfte er zwischen 50 und 120 Millionen Jahre alt sein.

Die Nähe zu unserem Sonnensystem und das Fehlen einer den Planeten überstrahlenden Sonne ermöglichte es den Wissenschaftlern, den Planeten sehr genau zu untersuchen. Demnach dürfte CFBDSIR2149 ein Gasplanet mit bis zu siebenfacher Sonnenmasse sein. Seine Oberflächentemperatur berechneten die Forscher auf etwa 430 Grad Celsius.

„Der Versuch, Planeten um andere Sterne direkt zu beobachten, ähnelt dem Aufspüren eines Glühwürmchens, das sich einen Zentimeter neben einem hellen und weit entfernten Autoscheinwerfer befindet”, erläutert Studienleiter Philippe Delorme. „Bei diesem uns nahen, frei herumvagabundierenden Himmelsobjekt können wir sozusagen das Glühwürmchen detailliert untersuchen, ohne dass das blendende Licht des Scheinwerfers dabei stört.”

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Alex

14.11.2012, 18:51 Uhr

Nochmal langsam bitte. Der Planet bewegt sich einfach so durchs All. Weit und breit keine Sonne in der Nähe. Aber er hat eine vermutete Oberflächentemperatur von 430° C. Ach ja. Nur gut, daß auf Jupiter und Saturn selbstverständlich nicht mehr als -120/-180° C herrschen. Die sind ja auch schließlich so weit von der Sonne entfernt...

itstk

14.11.2012, 19:58 Uhr

Mich irritiert viel mehr der erste Satz:

"Demnach dürfte CFBDSIR2149 ein Gasplanet mit bis zu siebenfacher Sonnenmasse sein. Seine Oberflächentemperatur berechneten die Forscher auf etwa 430 Grad Celsius."

Wenn der Planet die siebenfache Sonnenmasse hat, warum zündet der dann nicht zur Sonne durch? Ich dachte bisher, ab einer bestimmten kritischen Masse wäre das so.

Account gelöscht!

14.11.2012, 20:47 Uhr

@Alex
Ein Grund soll ja auch sein, dass dieser blau glühende Ball es nicht ganz gepackt hat eine Sonne zu werden. Und dann chilled das Ding halt irgendwo herum - Zu kalt für eine Sonne, zu warm für einen Planten.

Die andere Theorie mit den rausgekickten Planten könnte auch die Wärme erklären, wenn ein anderer Himmelskörper gegen das blaue Ding knallte -- Dabei entsteht auch viel Wärme.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×