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27.04.2012

12:09 Uhr

Planetenforschung

Überleben unter Mars-Bedingungen

Quelle:Tagesspiegel

Härtetest in der Simulationskammer: Bestimmte Mikroorganismen könnten auch unter den extremen Bedingungen des Roten Planeten überleben. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für Leben auf dem Mars.

Die Mikroorganismen setzten die DLR-Wissenschaftler Jean-Pierre de Vera (r.) und Andreas Lorek in der Marssimulationskammer den lebensfeindlichen Bedingungen des Mars aus.

Die Mikroorganismen setzten die DLR-Wissenschaftler Jean-Pierre de Vera (r.) und Andreas Lorek in der Marssimulationskammer den lebensfeindlichen Bedingungen des Mars aus.

BerlinMikroorganismen sind robuster als vielfach gedacht. Einige von ihnen könnten auch auf dem Mars überleben. Das zeigen Versuche eines internationalen Forscherteams mit Flechten und Cyanobakterien. „Wenn sich auf dem roten Planeten vor vier Milliarden Jahren Leben entwickelt haben sollte, ist es äußerst wahrscheinlich, dass es bis heute erhalten ist“, sagt Jean-Pierre de Vera vom Institut für Planetenforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin-Adlershof.

Die Wissenschaftler haben Mikroorganismen aus extremen Lebenswelten wie Polar- und Hochgebirgsregionen sowie den Tropen gesammelt und in einer Simulationskammer Bedingungen ausgesetzt, wie sie auf dem Mars herrschen: einer sehr dünnen Atmosphäre mit bis zu 95 Prozent Kohlendioxidgehalt, dazu Stickstoff und Spurengase wie Argon oder Sauerstoff. Die Temperatur wurde um mehr als 70 Grad Celsius variiert und die Proben zudem einer Strahlung ausgesetzt, wie sie auf der Planetenoberfläche zu erwarten ist.

Die Tests liefen über einen Monat. An Kälte angepasste Organismen wie die polare Flechte Pleopsidium chlorophanum überstanden die Tortur besser als tropische, berichtet de Vera. „Die Mikroorganismen haben das Experiment nicht etwa in einer Art Ruhestarre überlebt, sondern haben nachweislich Photosynthese betrieben.“ Das dafür erforderliche Wasser schlägt sich jeweils am Morgen und Abend eines Marstages an der Oberfläche nieder und wird dann genutzt.

Noch heute könnte es Leben auf dem Mars geben

Aus Sicht des Astrobiologen ist es sehr wahrscheinlich, dass es noch heute einfache Organismen auf unserem Nachbarplaneten gibt, die sich womöglich in klimatisch günstigeren Zeiten dort entwickelt haben. Sie werden nicht direkt auf dem Boden zu finden sein, der unmittelbar von der UV-Strahlung der Sonne getroffen wird, sondern eher in geschützten Felsnischen oder etwas tiefer im Boden.

„An solchen Stellen sollten Marsmissionen suchen, wenn sie Lebensspuren finden wollen“, sagt der Forscher und weist auf eine Gefahr hin, die mit solchen Erkundungen verbunden ist. „Offensichtlich können manche irdischen Organismen extreme Bedingungen überstehen.“

Damit bestehe ein Risiko, dass mit Forschungssonden fremde Organismen auf den Mars gelangen. Denn auch den Flug durchs All verkraften manche Mikroben erstaunlich gut, wie Langzeitversuche an der Außenseite der Internationalen Raumstation zeigen.

Damit bekommt die Schreckensvision der Astrobiologen wieder neuen Schwung: Dass sie auf einem anderen Planeten zwar Leben finden, das am Ende aber dann doch nur irdisches ist.

Von

Ralf Nestler

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

27.04.2012, 15:43 Uhr

Fragt sich jetzt was daran neu ist...

Wir haben in der Schule schon vor Jahren gelernt das insbesondere sogenannte Archaebakterien an extreme Bedingungen auf der Erde angepasst sind.
Es gibt sogar einige Vertreter die Schwefel (Im Periodensystem dem Sauerstoff untergeordnet)zum Überleben benötigen und die bei Kontakt zu Sauerstoff sterben. (Wodurch nebenbei die Argumentation Leben könne nur bei Sauerstoff entstehen, hinreichend widerlegt ist).

Das nun irdische Mikroorganismen auf dem Mars überleben könnten oder wenn es danach geht auch auf Io (Schwefeldioxydatmosphäre), Europa (Eismantel + vermuteter Ozean aus Wasser darunter) und diversen anderen Monden in unserem Sonnensystem, hätte eigentlich abzusehen sein müssen.

Trotzdem finde ich es interessant das es in Experimenten nachgewiesen wurde.

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