Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.07.2011

08:24 Uhr

Plattentektonik

Magmablase beschleunigte Indien und bremste Afrika

VonDaniel Lingenhöhl

Ein heißer Gesteinsherd trieb vor Millionen Jahren maßgeblich den indischen Subkontinent an - und wirbelt gängige Theorien zur Plattentektonik durcheinander.

Nasa-Illustration unserer Erde. Vor rund 150 Millionen Jahren begann eine Reise, die später in einem der größten Crashs der Erdgeschichte endete. Quelle: dpa

Nasa-Illustration unserer Erde. Vor rund 150 Millionen Jahren begann eine Reise, die später in einem der größten Crashs der Erdgeschichte endete.

HeidelbergVor rund 150 Millionen Jahren begann eine Reise, die später in einem der größten Crashs der Erdgeschichte endete und das gewaltigste Gebirge der Erde auffaltete: Damals brach der Superkontinent Gondwana auseinander, und der indische Subkontinent begann nach Norden zu driften, bis er mit Asien zusammenstieß und der Himalaja entstand. Auf diesem Weg erfuhr die Platte vor etwa 70 Millionen Jahren – kurz vor dem Aussterben der Dinosaurier – eine starke Beschleunigung, während sich gleichzeitig enorme Mengen Lava auf das heutige Hochland von Dekkan ergossen. Beides hing eng zusammen, stellten nun Steve Cande von der Scripps Institution of Oceanography an der University of California in San Diego und seine Kollegen fest: Die Indische Platte bewegte sich damals über einen neu entstandenen so genannten Mantel-Plume im Indischen Ozean hinweg – mit entsprechend dramatischen Folgen. 

Plumes sind ausgedehnte Blasen aus heißem Gesteinsmaterial, die von tieferen Mantelschichten bis in die Erdkruste reichen. Bisweilen durchbrechen Ausläufer dieser auch Manteldiapire genannten überdimensionierten Magmenkammern die Erdkruste und bauen dann fernab der Plattengrenzen Vulkane wie die Hawaii-Inseln auf. Im Indischen Ozean entwickelte sich vor etwa 67 Jahren eine derartige Blase – die heute als Réunion-Plume bezeichnet wird – etwa zur gleichen Zeit, als sich die Indische Platte über diese tektonische Schwächezone bewegte. 

Konvektive Kräfte in der Gesteinsschmelze trieben dann die Bewegung des Subkontinents zusätzlich an und beschleunigten ihn. Statt mit nur zwei Zentimetern pro Jahr trieb die Platte über einen Zeitraum von knapp 20 Millionen Jahren zehn Mal so schnell nach Nordosten Richtung Asien. Zugleich drang basaltisches Magma bis an die Oberfläche der Landmasse vor: Es ergoss sich über eine Fläche von einer halben Million Quadratkilometer und umfasste ein Volumen von 500 000 Kubikkilometer Material.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.07.2011, 11:08 Uhr

Korrektur nötig:
2ter Absatz: ... vor etwa 67 "????" Jahren => "Millionen" vergessen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×