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24.01.2007

10:33 Uhr

Politik und Medien

Gemeinsam für das Volk

VonC. Schumacher

Von einem guten Verhältnis profitieren Politik und Medien zu gleichen Teilen. Denn ihre Grundinteressen liegt nicht weit auseinander: Beide wollen das Volk für sich gewinnen - die einen als Wähler, die anderen als Leser. Allerdings ist der Grat zwischen Kooperation und Manipulation recht schmal.

DÜSSELDORF. Im blauen Bikini sonnte sich Ségolène Royal im Sommer an der Côte d'Azur - und die Paparazzi waren dabei. Von der Präsidentschaftskandidatin ungewollt. Oder etwa nicht? Die Bilder gingen an die Gazetten, und die Franzosen kauften sie gern. Vor den Präsidentschaftswahlen im Mai und Juni lechzen sie nach Informationen über die Kandidaten auch abseits der Politik.

Das Verhältnis von Politik und Presse ändert sich mit dem wachsenden Konkurrenzdruck der Medien; die Distanz wird geringer. Im Wahlkampf werden die Verflechtungen und Verfeindungen noch deutlicher. Der Grat zwischen Kooperation und Manipulation ist dabei recht schmal. Beide Seiten sind sich dessen bewusst. Eine Befragung des Instituts für Publizistik in Mainz unter den Berliner Korrespondenten hat im vergangenen Jahr ergeben, dass die Mehrzahl sich zwar Manipulationsversuchen seitens der Politik ausgesetzt sieht, diesen jedoch gelassen gegenübersteht. "Beide Seiten profitieren von einem guten Verhältnis zueinander", sagt Ulrich von Alemann, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Düsseldorf.

Denn das Grundinteresse von Politik und Medien liegt nicht weit auseinander: Beide wollen das Volk für sich gewinnen - die einen als Wähler, die anderen als Leser. Und beide haben mit dem gleichen Problem zu kämpfen: Die Wahlbeteiligung sinkt, die Auflage der Zeitungen auch.

Dass Politiker in ihrer Freizeit abgelichtet werden, ist in Frankreich jedoch bis vor kurzem undenkbar gewesen. "Dort ist der Einfluss der Medien wesentlich später gewachsen als in Deutschland", sagt Hans Mathias Kepplinger, Professor am Institut für Publizistik in Mainz. Lange war das Private von Politikern dort tabu. Doch Royals Privatleben ragt schon per se in die Politik: Ihr Gatte François Hollande ist Parteiführer der Sozialisten, für die sie für das höchste politische Amt in Frankreich kandidiert.

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