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06.08.2014

18:35 Uhr

Premiere in der Raumfahrt

Raumsonde „Rosetta“ trifft einen Kometen

Als erstes Raumfahrzeug überhaupt ist die europäische Sonde „Rosetta“ in die Umlaufbahn eines Kometen eingeschwenkt. Dieses Rendezvous soll der Auftakt zu einer engen Beziehung werden. Wenn alles klappt, kommt es im November sogar zum ersten Kuss.

Zehn Jahre unterwegs

Raumsonde trifft auf Kometen

Zehn Jahre unterwegs: Raumsonde trifft auf Kometen

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DarmstadtFür ihr Rendezvous mit „Tschuri“ musste „Rosetta“ einiges auf sich nehmen: Zehn Jahre, fünf Monate und vier Tage flog die Raumsonde durchs All, umkreiste die Sonne fünfmal und legte insgesamt rund 6,4 Milliarden Kilometer zurück. Am Mittwoch war es dann endlich soweit: Um 11:30 Uhr funkte sie ein Signal ins Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt, dass sie erfolgreich in die Umlaufbahn des Kometen eingetreten sei, der wissenschaftlich korrekt „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ heißt.

„Wir sind da“, freute sich Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. „Europas „Rosetta“ ist jetzt das erste Raumschiff der Geschichte, das einen Kometen trifft, ein außerordentlicher Höhepunkt bei der Erforschung unserer Ursprünge. Die Entdeckungen können beginnen.“

Kometen, die hauptsächlich aus Staub und Eis bestehen, sind die wahrscheinlich ältesten weitgehend unveränderten Reste der gigantischen Staubscheibe, aus der vor 4,6 Milliarden Jahren unser Sonnensystem entstand. Mit der Erforschung des grob drei mal fünf Kilometer großen „Tschuri“ will die Esa darüber genauere Erkenntnisse gewinnen.

Insgesamt 17 Nationen sind an der Mission beteiligt, die rund eine Milliarde Euro kostet. Deutschland trägt dazu knapp 300 Millionen Euro bei. Wesentliche Instrumente entstanden unter der Leitung deutscher Institute.

Raumsonde Rosetta

Was ist Ziel des Projekts?

Mit der Mission will die europäische Weltraumorganisation Esa einen der ursprünglichsten Himmelskörper erkunden. Kometen sind Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems. Auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens erhoffen sich die Forscher – etwa in Form bestimmter Proteinbausteine.

Wie lang ist Rosetta schon unterwegs?

Vor fast elf Jahren, am 2. März 2004, hob Rosetta an Bord einer Ariane 5-Rakete ab. Seitdem umkreiste Rosetta fünf Mal die Sonne und nahm bei drei Vorbeiflügen an der Erde und einem Vorbeiflug am Mars Geschwindigkeit auf. Rund 6,4 Milliarden Kilometer ist sie nun schon durch das Sonnensystem gereist.

Welche Instrumente sind an Bord?

Die Raumsonde hat elf Instrumente dabei. Zu ihnen gehören vier unter deutscher Projektleitung. Osiris zum Beispiel kommt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Es ist ein hochauflösendes Kamerasystem, mit dem die Form, Größe, Rotation und chemisch-mineralogische Zusammensetzung der Kometenoberfläche erfasst wird. Die knapp einen Kubikmeter große Rosetta-Landeeinheit namens Philae hat zehn Instrumente an Bord, unter anderem ein System aus Sensoren für die Temperaturmessung auf und unter der Oberfläche.

Wie teuer ist das Projekt?

Gut eine Milliarde Euro kostet das Projekt. Es steckt voller Premieren und Superlative: Nie zuvor wurde die Energie einer Raumsonde in so großer Sonnenentfernung von Solarzellen geliefert. Noch nie zuvor schwenkte eine Sonde auf eine Umlaufbahn um einen Kometen ein. Und noch nie wurde ein Forschungsmodul darauf abgesetzt.

404 Millionen Kilometer ist die Raumsonde nun von der Erde entfernt, das entspricht fast der dreifachen Entfernung der Erde zur Sonne. Bis Oktober soll sie in einer Höhe von etwa 100 Kilometern den Kometen umkreisen und einen passenden Landeplatz für die knapp einen Kubikmeter große Landeeinheit „Philae“ finden. Für den 14. November ist dann der heikelste Teil der Mission geplant: die erste Landung auf einem Kometen überhaupt.

„Das war heute der entscheidende Schritt“, sagte Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Landung selbst sieht er gelassen entgegen. Schließlich wird der Lander vom DLR-Kontrollzentrum in Köln gesteuert.

Den Vorgang selbst bezeichnete Wörner als „Kissing a Comet“ (deutsch: „Einen Kometen küssen“). Problematisch sei dabei die geringe Anziehungskraft des Kometen. Dass „Philae“ bei der Landung gleich wieder weggeschleudert wird, sollen Widerhaken verhindern. „Der Lander muss sich beim Kuss also regelrecht festsaugen“, sagte er.

Vom „Anfang einer engen Beziehung“ sprach das DLR auf seiner Website. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick. Ziel der „Rosetta“-Mission war ursprünglich der Komet „46P/Wirtanen“. Dieser sollte vom Jahr 2011 an von einem Orbiter und direkt von der Oberfläche aus untersucht werden.

Probleme beim „Ariane 5“-Raketenprogramm der Esa machten einen rechtzeitigen Start der bereits nach Französisch-Guayana transportierten Sonde im Januar 2003 jedoch unmöglich. Als Alternative wurde dann der 1969 entdeckte „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ gewählt, den man für ähnlich beschaffen hielt.

Schon während des Anflugs hatte es allerdings die ersten Überraschungen gegeben, die am Mittwoch in Darmstadt mit gestochen scharfe Fotos des Kometen belegt wurden: Statt eines kartoffelförmigen Körpers erwartet „Rosetta“ ein Gebilde, das einem Quietscheentchen mit Kopf und Körper ähnelt.

Von

dpa

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