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11.01.2007

11:26 Uhr

„Prestigewert des Nahverkehrs steigern“

Riesenbusse erobern Großstädte

VonE. Krummheuer

Sie nennen sich „XXL-Bus“, „Megabus“, „Busway“ oder – trotz Gummireifen – sogar „Lightram“: Nach der Renaissance der Straßenbahn gewinnen immer mehr Kommunen im Kampf gegen Umweltbelastungen und Verkehrskollaps auch dem guten alten Autobus neue Seiten ab.

Platz für 185 Menschen: Der neue Doppelgelenk-Bus in Hamburg.

Platz für 185 Menschen: Der neue Doppelgelenk-Bus in Hamburg.

HAMBURG. Fahrzeuge mit hoher Passagierkapazität und eigenen Fahrwegen, wie sie sonst nur für die Tram gebaut werden, könnten dem öffentlichen Nahverkehr zu neuer Attraktivität verhelfen – und das weltweit. Die französische Stadt Nantes, die sich erst vor wenigen Jahren ein attraktives Tramsystem geleistet hat, ergänzt das Liniennetz jetzt mit dem „Busway“. „Wie bei der Bahn gilt der Leitgedanke, Fahrzeug und Fahrweg als ein System zu verstehen“, erklärt Volker Deutsch, Nahverkehrsexperte der Universität Wuppertal, den Ansatz. Was dabei Stadtkämmerer freut: Die Investitionen machen gegenüber einem Straßenbahn-System nur ein gutes Drittel aus. Und das bei einer Beförderungskapazität, die an die Tram heranreicht.

Schnell wie Bahnen fahren die Mercedes-Benz-Busse mit Erdgasmotoren – auf einer völlig vom Autoverkehr getrennten Trasse. Auch das Design erinnert nicht ohne Grund an Trams: Während der klassische Linienbus beim Kunden kein gutes Image hat, locken Stadtbahnen eher zum Umsteigen vom Auto. „Wenn man den Prestigewert des Nahverkehrs erhöht, bekommt man auch die Politiker eher ins Boot“, sagt Deutsch. Deren Gunst ist nötig – nicht nur zur Finanzierung, sondern auch, um in engen Innenstädten dem Individualverkehr Platz für die modernen Busdienste abzutrotzen.

In Hamburgs City muss der „XXL-Bus“ im Strom des Autoverkehrs mitschwimmen. Wie eine Schlange windet sich der 25 Meter lange Doppelgelenkbus auf dem Rathausmarkt elegant um das rechtwinklige Eck und steuert problemlos die überdachte Haltestelle an. Und das, obwohl es sich bei dem Vierachser um den längsten Bus der Welt mit durchgehendem, stufenlosen Niederflur-Einstieg handelt.

Der Doppelgelenkbus, gebaut von der belgischen Firma Van Hool, besteht aus drei Wagenteilen. Sie sind mit zwei Ziehharmonika-Übergängen verbunden. Auf der Hamburger Metrobus-Linie 5 vom zentralen Omnibusbahnhof am Hauptbahnhof bis in den Stadtteil Niendorf pendeln derzeit zehn dieser Fahrzeuge – auf einer Strecke, die nach Angaben der Hamburger Hochbahn AG mit fast 60 000 Fahrgästen pro Tag eine der am stärksten genutzten Buslinien Europas ist. Nach den ersten Alltagserfahrungen hat der Betreiber gerade 15 weitere XXL-Busse geordert, um die Linie nur noch mit diesen zu bedienen. Außerhalb der City können die großen Gefährte sogar die Trasse einer 1978 stillgelegten Straßenbahn exklusiv nutzen.

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