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18.05.2012

09:53 Uhr

Privatisierung

Die Nasa muss kleinere Brötchen backen

VonThomas Jahn

Ein neues Kapitel der Raumfahrtgeschichte bricht an: Die erste privat gebaute Rakete soll endlich zur Weltraumstation ISS starten. Nur ein Schritt auf dem Weg zur zunehmenden Privatisierung der Nasa.

Eine Computergrafik zeigt die Landungssimulation der Raumkapsel "Dragon". Die Nasa muss sich zunehmend auf die Dienste privater Anbieter verlassen. dpa

Eine Computergrafik zeigt die Landungssimulation der Raumkapsel "Dragon". Die Nasa muss sich zunehmend auf die Dienste privater Anbieter verlassen.

HoustonSteven Gonzalez ist ausgeliehen. So wie Fußballklubs Spieler an andere Vereine auf Zeit vergeben, wenn sie nicht in die Mannschaft passen, so arbeitet Gonzalez nicht mehr für die Nasa im Johnson Space Center. Seit einem Jahr fährt er zu einem flachen Gebäude in der Innenstadt von Houston. Dort sitzt das Houston Technology Center, das an Firmen Risikokapital vergibt. Seine Aufgabe: Technologien von der Nasa in kommerzielle Anwendungen umzumünzen. "Wir wollen in vier Jahren einen ganzen Industriepark um das Johnson Space Center aufbauen", sagt Gonzalez.

Morgen startet das kalifornische Unternehmen Space X die erste privat gebaute Rakete zur Weltraumstation ISS. Geht alles gut, wird ein neues Kapitel in der Raumfahrt aufgeschlagen. In Zukunft muss die Nasa kleine Brötchen backen. Die US-Regierung strich ihr 2010 die Finanzierung zusammen, das Spaceshuttle-Programm wurde eingestellt. In Texas verloren von 18 000 Nasa-Mitarbeitern 3 500 ihren Job.

Raumtransporter Dragon im Überblick

Größe

Die „Dragon“-Raumkapsel hat eine Länge von 4,4 Metern. Ihr Durchmesser beträgt 3,6 Meter. In dem drucklosen Laderaum der Kapsel können mehr als 3300 Kilogramm Fracht transportiert werden.

Trägersystem I

Die Raumkapsel wird mit einer „Falcon 9“-Trägerrakete, die ebenfalls von SpaceX entwickelt wurde, ins All geschickt. Mit der an der Spitze montierten Raumkapsel ist die Rakete 48 Meter hoch.

Trägersystem II

Die „Falcon 9“-Rakete ist nach dem Raumschiff „Millennium Falcon“ aus den „Star Wars“-Kinofilmen benannt. Die Trägerrakete hat neun Triebwerke und 18 Schubdüsen für das Manövrieren im Orbit.

Ladung

Der Raumtransporter ist beladen mit mehr als 500 Kilogramm Vorräten und Materialien für wissenschaftliche Experimente.

Bemannte Missionen

Das Design der Kapsel ist so angelegt, dass sie umgebaut werden kann, um in Zukunft bis zu sieben Astronauten zu transportieren.

Im Vergleich zu Florida ist das noch wenig: Dort in Cape Canaveral steht die Abschussrampe für das Spaceshuttle, die man nicht mehr braucht. Entsprechend wurden mehr als die Hälfte der insgesamt 15 000 Mitarbeiter auf die Straße gesetzt.

Die Wirtschaft soll der berühmten Weltraumbehörde helfen. Nicht nur startet morgen die Space X Rakete aus Cape Canaveral. Auch will die Nasa Kapital aus ihren Technologien schlagen. Insgesamt gibt sie jährlich 200 ihrer Zehntausenden von Patenten an die Privatwirtschaft.

So nutzt die hitzeresistenten Kacheln des Spaceshuttles jetzt die Firma Dream Saver, um daraus feuerfeste Safes zu bauen. "Feuer, Hurrikane, Überschwemmung, Tornados, Erdbeben, geplatzte Rohre - das alles zerstört täglich Familienträume und Erinnerungen", wirbt das Houstoner Start-up neben dem Foto eines Pärchens vor einem abgebrannten Haus.

Kommentare (1)

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B.Giertz

19.05.2012, 12:57 Uhr

Dieser inflationäre Gebrauch des Wortes "Privatisierung" vermittelt ein falsches Bild !
Der Auftraggeber ist nach wie vor die NASA, also wäre es richtungsweisender von kommerziellen Auftragnehmern zu schreiben !!

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