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13.01.2017

12:51 Uhr

Problematische Vorliebe

Brasiliens Vampire trinken jetzt Menschenblut

VonLars Fischer
Quelle:Spektrum.de

Bei Vampirfledermäusen in Brasilien steht neuerdings auch Menschenblut auf dem Speiseplan. Weil ihre normale Beute schwindet, wechseln die Tiere ihre Nahrungsquelle. Für den Menschen kann das fatale Folgen haben.

Brasilianische Vampirfledermäuse haben den Menschen als „Bluttankstelle“ entdeckt.

Vampirfledermaus

Brasilianische Vampirfledermäuse haben den Menschen als „Bluttankstelle“ entdeckt.

HeidelbergAls Reaktion auf das Verschwinden ihrer normalen Beute durch die zunehmende Abholzung tropischer Wälder trinkt die brasilianische Fledermaus Diphylla ecaudata neuerdings auch Menschenblut. Zu diesem Schluss kommen Fernanda Ito, Enrico Bernard und Rodrigo A. Torres von der Universidade Federal de Pernambuco in Recife nach Analysen von Fledermauskot in einer der Wohnhöhlen der Tiere.

In den Fäkalien fanden sie menschliches Erbgut – ein Hinweis darauf, dass die eigentlich auf Vogelblut spezialisierten Tiere inzwischen auch Menschen anzapfen. Den Untersuchungen zufolge machen auch Hühner einen erheblichen Anteil ihrer Beute aus – ebenfalls ein Anzeichen dafür, dass wilde Beutetiere seltener werden.

Berühmte Vampire

Dracula

Der berühmteste Vampir der Literaturgeschichte. 1897 erschien die Geschichte vom blutsaugenden Grafen, der seine Heimat Transsilvanien verlässt, um im viktorianischen London auf Menschenjagd zu gehen. Der irische Autor Bram Stoker ließ sich für seinen Titelhelden unter anderem von dem für seine Grausamkeit berüchtigten walachischen Fürsten Vlad III. Draculea inspirieren.

Carmilla

Eine weitere klassische Vampirgestalt mit irischen Wurzeln. Joseph Sheridan Le Fanu, der irische Altmeister der fantastischen Literatur, schuf die 1872 erschienene Novelle um den weiblichen Vampir Carmilla, der als geheimnisvoller Gast auf einem Schloss sein Unwesen treibt.

Wurdalak

Der russische Schriftsteller Alexei Tolstoi, ein Cousin des großen Leo, schuf die Gestalt des Wurdalak, eines untoten Blutsaugers, der sich seine Opfer bevorzugt aus der eigenen Familie holt. Die Erzählung „Die Familie des Wurdalak“ erschien erst 1884, neun Jahre nach Tolstois Tod, sie gilt heute als eine der gelungensten literarischen Bearbeitungen des Vampirstoffs.

Nosferatu

Neben den Dracula-Filmen mit Christopher Lee die wohl bekannteste filmische Umsetzung des Vampirstoffs – als Stummfilm 1922 von Friedrich Wilhelm Murnau in Szene gesetzt, 1979 dann von Werner Herzog mit Klaus Kinski in der Titelrolle.

Graf Krolock

Der Herr der Untoten in Roman Polanskis Komödie „Tanz der Vampire“, ein gebildeter, leicht melancholischer, nichtsdestotrotz abgrundtief böser Blutsauger. Legendär die Szene, als Krolocks untoter Sohn Herbert statt in den Hals seines Opfers in ein Buch beißt, das ihm der Vampirjäger Alfred (Roman Polanski) abwehrend entgegenstreckt.

Die Vampirfledermaus Diphylla ecaudata ist eine von drei Arten, die sich ausschließlich von Blut ernähren. Im Vergleich zu den anderen Arten gilt sie als Vogelspezialist, deswegen sind die Fachleute von der Entdeckung überrascht: Vogelblut ist deutlich fettreicher als Säugetierblut, welches dafür mehr Proteine enthält.

In früheren Experimenten hungerten die Fledermäuse deswegen lieber, als das Blut von Ziegen oder Schweinen zu trinken. Menschen dagegen scheinen für die Blutsauger ähnlich wie Hühnchen zu schmecken.

Ito und ihre Kollegen vermuten jedenfalls, dass die Fledermäuse aus Beutemangel zunächst auf Hühner ausgewichen sind, die in der Region häufig als Nutztiere im Haus gehalten werden. Dabei müssen die Tiere irgendwann durch Zufall festgestellt haben, dass Menschenblut ihnen ebenfalls mundet.

Für den Menschen ist diese neue Vorliebe nicht unproblematisch: Fledermäuse können diverse Krankheiten übertragen, darunter potenziell tödliche Erkrankungen wie Ebola.

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