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22.02.2016

15:32 Uhr

Projekt Culifo

Wie gefährlich sind Deutschlands Stechmücken?

Könnte Deutschland zur Heimat von Stechmücken werden, die Zika und andere Tropenkrankheiten übertragen? Hamburger Forscher wollen genauer untersuchen – und erhalten dafür 2,2 Millionen Euro vom Bund.

Gelbfiebermücken (Aedes Aegypti) sind die Überträger des Zika-Virus. Ob auch in Deutschland heimische Mückenarten Tropenkrankheiten übertragen können, wollen Hamburger Forscher herausfinden. dpa

Gelbfiebermücken

Gelbfiebermücken (Aedes Aegypti) sind die Überträger des Zika-Virus. Ob auch in Deutschland heimische Mückenarten Tropenkrankheiten übertragen können, wollen Hamburger Forscher herausfinden.

HamburgAngesichts der Verbreitung von Zika und anderen tropischen Krankheiten wollen Hamburger Forscher die Stechmücken in Deutschland genauer untersuchen. Exotische Arten wie die Asiatische Tigermücke und der Japanische Buschmoskito können gefährliche Viren übertragen und sind auch schon in Deutschland nachgewiesen worden. Der Startschuss für das neue Forschungsprojekt namens „Culifo“ ist am heutigen Montag in Hamburg gefallen.

Der Name „Culifo“ setzt sich aus den Abkürzungen für das lateinische Wort für Stechmücken „Culicidae“ und Forschung zusammen. Es gibt etwa 50 Mückenarten in Deutschland. Welche Erreger sie übertragen können, wollen die Forscher am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin herausfinden.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Bekannt sei bereits, dass einheimische Mücken das tropische Usutu-Virus verbreiten, das 2011 in Baden-Württemberg zu einem großen Amselsterben führte. Der Erreger sei auch auf den Menschen übertragbar, aber er werde dadurch zum Glück nicht krank, sagte der Koordinator des Vorhabens, Egbert Tannich. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert das Projekt mit 2,2 Millionen Euro.

Bereits im Jahr 2010 wurden zwei Dengue-Virus-Übertragungen in Europa bekannt. Ein 72 Jahre alter Mann, der im August 2010 nach Südkroatien gereist war, hatte kurz nach seiner Rückkehr nach Deutschland hohes Fieber sowie Kopf-, Glieder- und Augenschmerzen. Diagnose: Dengue-Fieber.

Im September 2010 steckten sich zudem zwei Menschen in Südostfrankreich mit dem Virus an. Die Menschen, die in Deutschland bislang die Diagnose Zika oder Dengue bekamen, waren zuvor alle in tropischen Länder gewesen und haben sich dort angesteckt.

Mit dem Reise- und Warenverkehr werden die exotischen Mücken nach Deutschland gebracht. Die Ausbreitung der sogenannten invasiven Arten verzeichnen Forscher seit einigen Jahren in einer interaktiven europäischen Karte. Ziel des neuen Forschungsprojekts ist es, eine Risikokarte für Deutschland zu erstellen, so Tannich.

Von

dpa

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