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24.02.2015

15:43 Uhr

Projekt Icemole

Spurensuche mit dem heißen Maulwurf

Auf dem Saturnmond Enceladus vermuten Forscher flüssiges Wasser unter einem dicken Eispanzer. Wasser, das Spuren von Leben enthalten könnte. Ein Hightech-Maulwurf könnte entsprechende Proben sammeln.

Mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Stunde schmilzt sich der "Eis-Maulwurf" langsam in Richtung Ziel - eine Gletscherspalte im Taylor-Gletscher in der Antarktis. dpa

Mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Stunde schmilzt sich der "Eis-Maulwurf" langsam in Richtung Ziel - eine Gletscherspalte im Taylor-Gletscher in der Antarktis.

KölnWer Spuren sucht, darf nicht selbst welche legen. Das wissen Kriminalisten, die daher Overalls und Handschuhe überstreifen und nur mit sterilen Wattestäbchen DNA-Proben nehmen.

Das gilt aber genauso für Forscher, die im Wasser unter dem Eispanzer eines Saturnmonds nach Spuren von Leben suchen wollen. Auch sie müssen penibel darauf achten, dass sie nicht selbst Stoffe von der Erde oder aus Meteoriten in das Wasser einbringen, das sie analysieren sollen. Bei all dem hilft ein heißer Maulwurf. Der „IceMole“ (Eis-Maulwurf) wurde von einem deutschen Forscherteam entwickelt.

Und er hat Ende vergangenen Jahres einen Praxistest bestanden. In der Antarktis schmolz er sich durch einen Gletscher und nahm eine Probe aus dem darunter liegenden Wasser. Beteiligt sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, die Fachhochschule Aachen, die Technische Universität Braunschweig, die Universität Bremen, die Universität der Bundeswehr München und die Universität Wuppertal.

Dass so viele Fachleute zusammenarbeiten, hat einen einfachen Grund. Normalerweise würden bei Raumfahrtmissionen Technologien eingesetzt, die schon verfügbar sind, sagt Oliver Funke vom DLR. Diesmal ist es umgekehrt: „Welche Technologien benötigen wir, um überhaupt eine solche Mission anzudenken?“

Zunächst einmal braucht es einen Bohrer, der gar keiner ist. Es wird kein Material herausgefräst, sondern der Maulwurf verflüssigt das Eis und kommt so voran. Was aber, wenn im Eis Gestein eingeschlossen wäre, von Meteoriten, oder wenn er auf Hohlräume träfe und sich verkanten würde? Solche Hindernisse muss er erkennen können.

Hier kam der Elementarteilchen-Spezialist Christopher Wiebusch von der RWTH Aachen ins Spiel. „Da Gletschereis sehr milchig ist, war die Idee, es mit akustischen Sensoren zu versuchen.“ Genau damit kennt er sich aus, denn für seine Neutrino-Forschung hatte er bereits mit Schallsignalen im Eis gearbeitet, aus deren Laufzeiten Positionen errechnet werden. So entstand das Navigationssystem, mit dem mitten im Eis sowohl der Maulwurf als auch Hindernisse geortet werden.

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