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12.04.2011

11:52 Uhr

Psychologie

Negatives Menschenbild macht egoistisch

Von der Einschätzung der Mitmenschen hängt es ab, wie kooperativ sich Menschen verhalten. Dabei sind vor allem negative Einstellungen schwer zu revidieren. Zwischen Bonn und London stellten die Forscher dabei einen großen Unterschied fest.

Graffitti in Griechenlands Hauptstadt Athen. Die "broken windows"-Theorie geht davon aus, dass Details wie kaputte Scheiben in verlassenen Gebäuden oder Müll auf den Straßen desolate Zustände wie die komplette Verwahrlosung eines Quartiers nach sich ziehen. Quelle: dpa

Graffitti in Griechenlands Hauptstadt Athen. Die "broken windows"-Theorie geht davon aus, dass Details wie kaputte Scheiben in verlassenen Gebäuden oder Müll auf den Straßen desolate Zustände wie die komplette Verwahrlosung eines Quartiers nach sich ziehen.

MünchenDie Erwartungshaltung über das Verhalten der Mitmenschen bestimmt maßgeblich, ob Menschen miteinander kooperieren. Die ursprüngliche Erwartung ist zudem schwer zu revidieren. "Dies gilt vor allem, wenn es sich um eine negative Vorstellung handelt", fasst Michael Kurschilgen vom Max-Planck-Institut für Gemeinschaftsgüter in Bonn eines der wichtigsten Ergebnisse einer Studie zusammen, bei der er gemeinsam mit seinen Kollegen Christoph Engel und Sebastian Kube die Ergebnisse von Gemeinwohlspielen unter die Lupe nahm. Die eigene Erwartung wird so zur selbsterfüllenden Prophezeiung: Wer von Egoismus ausgeht, trifft dann tatsächlich häufiger auf unkooperatives Verhalten bei seinen Mitmenschen.

In früheren Studien hatten andere Forscher Teilnehmer in Bonn und London mit solchen - in der experimentellen Ökonomie sehr beliebten Spielen - erfolgreich in eine soziale Zwickmühle gebracht. Engel, Kube und Kurschilgen nutzten die Vorlagen für ihre Studie, die sie auf einen Aspekt fokussierten, der auch Sozialpolitiker und Stadtplaner interessieren dürfte. "Wir wollten herausfinden, ob die "broken windows"-Theorie auch im Labor funktioniert", erläutert Michael Kurchilgen.

Dieser Theorie zufolge können kleine Details wie kaputte Scheiben in verlassenen Gebäuden oder Müll auf den Straßen desolate Zustände wie die komplette Verwahrlosung eines Quartiers nach sich ziehen. "Solche Anzeichen der Verwahrlosung vermitteln Menschen den Eindruck, dass dort die sozialen Normen außer Kraft sind", erklärt Kurschilgen die Idee dieser Theorie, die auch den New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani zu seiner Null-Toleranzstrategie bewegte, mit der er in den 1990er Jahren in seiner Stadt erfolgreich aufgeräumt hatte.

Mit ihrer Studie setzten die drei MPI-Wissenschaftler die Theorie in ein wissenschaftliches Experiment um. Anhand von Gemeinwohlspielen wie sie in der experimentellen Ökonomie gern eingesetzt werden, wollten sie herausfinden, inwieweit der erste Eindruck das Verhalten von Menschen bestimmt und wie stark dieser durch ausgewählte Informationen beeinflussbar ist. Der Aufbau der Spiele spiegelt das klassische Dilemma zwischen Eigennutz und sozialem Verhalten wider: Gruppen aus vier Spielern erhalten einen Geldbetrag von jeweils 20 Talern, der entweder für sich behalten oder in ein Gemeinschaftsprojekt investiert werden kann. Jeder in das Gemeinschaftsprojekt investierte Taler wird mit 0,4 Taler vergütet. Wenn alle vier Gruppenmitglieder ihre 20 Taler investieren, erhält jeder 32 Taler, also 12 Taler mehr, als wenn alle ihr Geld für sich behalten. Investieren nur drei ihr Geld für die Gemeinschaft, erhält der egoistische vierte Mitspieler dagegen 44 Taler.

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