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18.03.2011

08:52 Uhr

Radioaktive Strahlung

Attacke auf das Erbgut

VonHartmut Wewetzer
Quelle:Tagesspiegel

Die genetische Veranlagung entscheidet mit, ob jemand auch bei Niedrigdosis-Strahlung an einem Tumor erkrankt. Trotz aller Fortschritte gibt es immer noch große Wissenslücken.

Auch eine vergleichsweise niedrige Strahlenbelastung kann Folgen für die Gesundheit haben. Quelle: dapd

Auch eine vergleichsweise niedrige Strahlenbelastung kann Folgen für die Gesundheit haben.

Berlin

In Japan wächst die Gefahr eines radioaktiven Niederschlags. Und in Deutschland werden Erinnerungen an das Jahr 1986 wach. Damals breitete sich nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 eine radioaktive Wolke nach Westen aus.

Die entscheidende Frage lautete, wie groß die Gesundheitsgefahr durch den Fallout sein würde. Rückblickend zeigte sich, dass Mitteleuropa noch einmal glimpflich davongekommen war. Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz fiel die Strahlenbelastung verhältnismäßig gering aus.

Im ersten Jahr nach Tschernobyl betrug sie bis zu 50 Prozent der ohnehin vorhandenen natürlichen Strahlendosis von 2,1 Milli-Sievert (mSv). Auf 50 Jahre hochgerechnet werde sie insgesamt 4 mSv nicht überschreiten. "Es gibt bisher keinen Nachweis, dass in Deutschland oder anderen Ländern Mittel- oder Nordeuropas negative gesundheitliche Strahleneffekte durch den Tschernobyl-Unfall verursacht wurden", heißt es von Seiten des Bundesamts.

Kann die Akte Tschernobyl also geschlossen werden, zumindest für Deutschland? Nicht ganz. Denn eine vergleichsweise niedrige Strahlenbelastung kann Folgen für die Gesundheit haben, auch wenn diese statistisch nicht oder kaum nachweisbar sind. So wird das Risiko, an einem strahlenbedingten Krebsleiden zu sterben, mit etwa 1,2 Prozent pro 100 mSv angegeben.

Rechnerisch muss also davon ausgegangen werden, dass es in Deutschland infolge von Tschernobyl zu zusätzlichen Krebstodesfällen kommt, auch wenn sie in der allgemeinen Krebssterblichkeit untergehen und nicht von "normalen" Tumorleiden zu unterscheiden sind.

Unterhalb von 100 mSv sprechen Experten von Niedrigdosis-Strahlung. Ihre Folgen für den Organismus werden intensiv erforscht und sind das Thema heftiger Debatten. Zu verstehen, welche Auswirkungen vergleichsweise geringe Dosen haben, ist nicht nur wegen Reaktorunfällen von großer Bedeutung. Bedeutsamer im Alltag ist die zur natürlichen Belastung hinzukommende durch medizinische Anwendungen wie Röntgenaufnahmen, Mammographien und Computertomographien. Mit rund 2 mSv haben sie die gleiche Größenordnung wie die Dosis durch natürliche Radioaktivität. Auch deswegen ist es wichtig, Folgen der Niedrigstrahlung besser zu verstehen.

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