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12.01.2005

22:15 Uhr

Forschung + Medizin

Raketenstarts in Baikonur gefährden Einwohner in Sibirien

Raketenstarts am Raumbahnhof Baikonur in Kasachstan gefährden nach Darstellung russischer und westlicher Wissenschaftler die Bevölkerung in umliegenden Gebieten.

Baikonur

Raketenstart in Baikonur im Oktober 2004.

dpa LONDON/MOSKAU. Raketenstarts am Raumbahnhof Baikonur in Kasachstan gefährden nach Darstellung russischer und westlicher Wissenschaftler die Bevölkerung in umliegenden Gebieten. Äußerst giftige Treibstoffreste, die in dieser Region niedergingen, verursachten schwere Gesundheitsschäden, berichtet die Zeitschrift „Nature“ (Bd. 433. S. 95) vom Donnerstag.

Nature-Autor John Giles beruft sich auf Experten des Staatlichen Forschungszentrums für Virologie und Biotechnologien Vector mit Sitz in Nowosibirsk.

Der Betreiber von Baikonur, die russische Raumfahrtagentur Roskosmos, weist die Angaben zurück. „Die ersten Raketenstufen gehen in unbewohnten Gebieten Kasachstans nieder, die für Unbefugte gesperrt sind“, sagte der stellvertretende Roskosmos-Sprecher Wjatscheslaw Michailitschenko der dpa in Moskau. Roskosmos habe spezielle Öko-Brigaden, die die Fallgebiete genau untersuchten.

Nach dem Absturz der US-Raumfähre „Columbia“ 2003 starten alle Versorgungsflüge für die Internationale Raumstation ISS von der kasachischen Steppe. Daneben gibt es kommerzielle und militärische Starts.

Von den Folgen der Raumfahrt sind nach Angaben russischer Mediziner etwa 20 Regionen der ehemaligen Sowjetunion betroffen. Die zweiten Stufen von in Baikonur gestarteten Raketen fielen in den russischen Teilrepubliken Altai, Jakutien und Tuwa nieder, sagte der Vector-Epidemiologe Sergej Sykow dem Fachblatt „Nature“. Bei Menschen dieser Regionen seien bis zu zwei Mal mehr Krebserkrankungen, Fehlgeburten und Missbildungen bei Neugeborenen festgestellt worden.

Bei jedem Start würden dutzende Liter des hochgiftigen Treibstoffes Dimethylhydrazin über ein mehrere Quadratkilometer großes Territorium versprüht, sagte Sykow. In Russland ist der Stoff als Heptil bekannt. Nach Angaben von Roskosmos ist dieses Problem in den vergangenen Jahren entschärft worden. Raketen würden nur noch mit der erforderlichen Treibstoffmenge getankt, sagte Michailitschenko. „Zudem gibt es spezielle Systeme zum Nachbrennen von nicht verbrauchtem Treibstoff.“

Andere Vertreter von Roskosmos führen Gesundheitsprobleme in betroffenen Gebieten auf den niedrigen Lebensstandard im Vergleich zum übrigen Russland zurück. Nach Raketenstarts in Cape Canaveral (USA) oder Kourou (Guyana) fallen die Raketenstufen ins Meer.

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