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03.10.2011

20:17 Uhr

Ralph Steinman

Verstorbener Mediziner erhält Nobelpreis posthum

VonHelmut Steuer

Der mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnete Forscher Ralph Steinman ist drei Tage vor der Verleihung verstorben. Laut Statuten kann der Preis nicht posthum zuerkannt werden. Nun soll eine Ausnahme gemacht werden.

Der kanadische Wissenschaftler Ralph Steinman, dem am Montag der diesjährige Medizinnobelpreis zuerkannt wurde, ist tot. Steinman starb bereits am Freitag an den Folgen von Krebs.

Der kanadische Wissenschaftler Ralph Steinman, dem am Montag der diesjährige Medizinnobelpreis zuerkannt wurde, ist tot. Steinman starb bereits am Freitag an den Folgen von Krebs.

StockholmErstmals in der 110jährigen Geschichte des Nobelpreises wird ein verstorbener Wissenschaftler ausgezeichnet: Der 1943 in Montreal geborene Immunologe Ralph Steinman sei am Freitag vergangener Woche an einer Krebserkrankung gestorben, teilte das Nobel-Komitee in Stockholm mit. Offenbar wurde das Komitee von der Nachricht vom Tod überrascht, denn das Testament des Preis-Stifters Alfred Nobel sieht eine Verleihung posthum nicht vor. Der Sprecher der Nobelstiftung, Göran Hansson, erklärte allerdings am Abend in Stockholm, dass die Nobel-Stiftung in einer Sondersitzung beschlossen hat, die ursprüngliche Entscheidung nicht zu revidieren. Damit werden die Angehörigen von Steinman die Auszeichnung am 10. Dezember in Stockholm entgegennehmen können. Die Familie hatte den Tod des Wissenschaftlers erst nach der Nobel-Entscheidung öffentlich gemacht.

Gestern Mittag hatte das Nobel-Komitee mitgeteilt, dass es keinen der drei Preisträger erreicht habe. Die Nachricht vom Tode Steinmans wurde zunächst von der Rockefeller Universität in den USA verbreitet. Die Tochter des verstorbenen Wissenschaftlers erklärte, ihr Vater hätte sich „sicherlich sehr geehrt gefühlt, nachdem er sich sein ganzes Leben der Arbeit und der Familie gewidmet“ habe.

Die Medizin-Nobelpreisträger

2011

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an drei Forscher aus den USA, Luxemburg und Kanada. Bruce Beutler, Jules Hoffmann und Ralph Steinman werden für ihre Forschungen zum Immunsystem geehrt.

2010

Der Brite Robert Edwards für die Entwicklung der Reagenzglas-Befruchtung.

2009

Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak (alle USA) für die Erforschung der Zellalterung.

2008

Harald zur Hausen (Deutschland) für die Entdeckung der Papilloma-Viren, die  Gebärmutterhalskrebs auslösen, sowie die Franzosen Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung des Aidserregers HIV.

2007

Mario R. Capecchi, Oliver Smithies (beide USA) und Sir Martin J. Evans (Großbritannien) für eine genetische Technik, um Versuchsmäuse mit menschlichen Krankheiten zu schaffen.

2006

Die US-Forscher Andrew Z. Fire und Craig C. Mello für eine Technik, mit der sich Gene gezielt stumm schalten lassen.

2005

Barry J. Marshall und J. Robin Warren (beide Australien) für die Entdeckung des  Magenkeims Helicobacter pylori und dessen Rolle bei der Entstehung von Magengeschwüren.

2004

Richard Axel und Linda Buck (beide USA) für die detailgenaue Enträtselung des Geruchssinns.

2003

Paul C. Lauterbur (USA) und Sir Peter Mansfield (Großbritannien) für ihre wesentlichen Beiträge zur Anwendung der Kernspintomographie in der Medizin als neuartiges und schonendes Diagnoseverfahren.

2002

Sydney Brenner (Großbritannien), H. Robert Horvitz (USA) und John E. Sulston (Großbritannien) für die Erforschung des programmierten Zelltods (Apoptose) als Grundlage zum Verständnis von Krebs, Aids und anderen Krankheiten.

2001

Leland H. Hartwell (USA), Sir Paul M. Nurse (Großbritannien) und R. Timothy Hunt (Großbritannien) für Erkenntnisse über die Zellteilung, die neue Wege in der Krebstherapie ermöglichen.

Steinman erhält eine Hälfte des mit knapp 1,1 Millionen Euro dotierten Preises, während sich der Amerikaner Beutler (Jahrgang 1957) und der Luxemburger Hoffmann (1941) die andere Hälfte teilen. Das karolinische Institut in Stockholm, das für die Auswahl der Medizin-Nobelpreisträger verantwortlich ist, ehrte die drei Forscher für ihre herausragenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Immunologie. Sie hätten „unsere Kenntnisse über die Immunologie revolutioniert, weil sie die zentralen Prinzipien der Aktivierung des Immunsystems  entdeckt haben“, heißt es in der Begründung. Damit sei die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden gegen Infektionen und Krebs möglich. „Die drei haben ein Rätsel gelöst“, urteilte Göran K. Hansson, Professor am Karolinischen Institut.

Verstorbener Nobelpreisträger: „Steinman war ein Visionär und Vorbild“

Verstorbener Nobelpreisträger

„Steinman war ein Visionär und Vorbild“

Er forschte an Immunzellen. Er bekam Krebs und verlängerte sein Leben mit einer Therapie, die auf seinen Arbeiten basierte. Doch kurz vor der Krönung seines Forscherlebens starb Ralph Steinman.

Beutler und Hoffman werden für ihre Forschung über die angeborene Immunität ausgezeichnet. Steinman hat die sogenannten dendritischen Zellen entdeckt, die für die Aktivierung des Immunsystems verantwortlich sind. „Die drei haben ein Rätsel gelöst“, sagte Göran K. Hansson, Professor am Karolinischen Institut. „Jetzt wissen wir, wie das Immunsystem aktiviert wird“. Künftig werde man bessere Medikamente auf Basis der Grundlagenforschung der drei Wissenschaftler herstellen können. „Unter anderem wird man vermutlich Impfstoffe entwickeln, die die Abwehrmechanismen des Körpers aktivieren können“, sagte Annika Scheynius, Professorin am Karolinischen Institut in Stockholm.

Im Gegensatz zu früheren Medizin-Nobelpreisträgern sind die in diesem Jahr Ausgezeichneten relativ jung: Beutler wurde 1957 in Chicago geboren. Er studierte an der Universität von Chicago. Später forschte er an der Universität von Texas. Seit elf Jahren ist er Professor für Genetik und Immunologie am Scripps Research Institute in La Jolla, USA.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

03.10.2011, 15:42 Uhr

Schande für den langsamen Haufen, der sich Nobelpreiskomitee nennt.

Wissenschaftler

03.10.2011, 20:03 Uhr

Die Entscheidung in diesem Falle von den Statuten abzuweichen und Herrn Prof. Dr. Steinmann mit dem Nobelpreis auszuzeichnen finde ich voll in Ordnung. Wirklich schade für Ihn, dass er die Würdigung für seine Forschungen nicht mehr erleben durfte.

RIP

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