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19.12.2016

11:50 Uhr

Raumfahrt

China und Indien drängen mit Macht ins All

Raumfahrt ist längst nicht nur eine Domäne der USA, Russlands und Europas: China und Indien machen enorme Fortschritte im All. Dabei geht es ihnen nicht nur um den wissenschaftlichen und technologischen Nutzen.

Bei der kommerziellen Raumfahrt hat sich Indien mit der Trägerrakete „PSLV“ den Ruf eines zuverlässigen Dienstleisters erarbeitet ISRO

Raketenstart in Indien

Bei der kommerziellen Raumfahrt hat sich Indien mit der Trägerrakete „PSLV“ den Ruf eines zuverlässigen Dienstleisters erarbeitet

Peking/Neu DelhiChina und Indien greifen nach den Sternen. Während die USA und Russland ihre Raumfahrtprogramme bremsen, holen die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde mit großen Schritten auf.

„Ich würde sagen, dass China im Moment nur noch zehn Jahre hinter den USA her hinkt“, sagt der australische Raumfahrtexperte Morris Jones. „China ist bereits ein globaler Führer – aber es könnte auch eine vorherrschende Macht im Weltall werden, wenn gegenwärtige Trends anhalten.“

Auch Indien mache enorme Fortschritte, liege allerdings „noch weit hinter China“. Indiens Satellitentechnologie sei zwar ähnlich, aber die Raketentechnologie und bemannte Raumfahrt noch nicht so weit entwickelt, sagt der unabhängige Raumfahrtexperte.

Besonders Chinas Anstrengungen werden von den USA kritisch beäugt. So warnte ein US-Kongressbericht, dass China „im All militärisch, diplomatisch, kommerziell und wirtschaftlich genauso wettbewerbsfähig wie die USA“ werden wolle, was auf Kosten der USA gehen werde.

China will zum Mars

„Chinas wohlüberlegterer und umfassenderer Ansatz wird Peking Möglichkeiten eröffnen, in naher Zukunft wichtige wirtschaftliche, politische und diplomatische Vorteile von seinem Raumfahrtprogramm abzuleiten“, sagte Dennis Shea von der US-Wirtschafts- und Technologiekommission in einer Anhörung vor dem Raumfahrtausschuss des US-Abgeordnetenhauses, der sich schon die Frage stellte: „Verlieren wir das Rennen im Weltraum an China?“

Seit 2003 ist China nach den USA und Russland die dritte Nation, die aus eigener Kraft Astronauten ins All schicken kann. Ende November beendeten zwei „Taikonauten“, wie Chinas Raumfahrer auch genannt werden, den sechsten und mit einem Monat bisher längsten chinesischen Raumflug.

Ihre Tests mit dem Raumlabor „Tiangong 2“ (Himmelspalast) dienen der Vorbereitung für eine eigene Raumstation, die um 2022 fertig gestellt werden soll. Wenn die Raumstation ISS wie geplant nach 2024 auslaufen sollte, wäre China das einzige Land mit einem permanenten Außenposten im All.

Mit einem Rover erforschte China schon die Mondoberfläche und denkt auch an eine bemannte Mondlandung. Für 2020 ist eine Marsmission geplant. Seit September sucht das weltgrößte Radioteleskop in Pingtang in Südwestchina nach den Ursprüngen des Universums und außerirdischem Leben. Mehr als 180 Satelliten hat China bereits ins All geschossen und baut ein eigenes globales Navigationssystem. Anfang November hob mit „Langer Marsch 5“ eine neue Trägerrakete ab, die es mit der leistungsfähigsten „Delta IV Heavy“ im US-Arsenal aufnehmen kann.

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