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10.02.2014

10:01 Uhr

Raumfahrt

Der Weltraum bleibt vorerst ein Schrottplatz

Es wird eng im All, jedenfalls um die Erde herum. Der Grund: Die erdnahe Raumfahrt hinterlässt tonnenweise Müll. Doch die Entwicklung einer Weltraum-Müllabfuhr kämpft noch immer mit Hindernissen.

Die Illustration zeigt die von einer Wolke aus Weltraumschrott umgebene Erde. Rund 6500 Tonnen Schrott bewegen sich derzeit um den Planeten. ap

Die Illustration zeigt die von einer Wolke aus Weltraumschrott umgebene Erde. Rund 6500 Tonnen Schrott bewegen sich derzeit um den Planeten.

BerlinAm 10. Februar 2009 krachte es knapp 800 Kilometer über Sibirien. Zwei Satelliten waren kollidiert: der amerikanische „Iridium 33“ und der ausgediente russische „Kosmos 2251“. Beide zersplitterten in Tausende Schrottteile, rund 2200 größere sind katalogisiert. Der Unfall hat Folgen bis heute: Mehrfach musste die Internationale Raumstation ISS Ausweichmanöver fliegen, weil die Trümmer ihr gefährlich nahe kamen.

Zwei Jahre zuvor, am 11. Januar 2007, hatte China einen eigenen Wettersatelliten in 850 Kilometern Höhe mit einer Rakete zerstört – als Test. Über 3000 größere Bruchstücke verteilten sich ins All. „Wenn man diese beiden Ereignisse zusammennimmt, dann machen die daraus hervorgegangenen Fragmente etwa ein Drittel der Objekte aus, die wir vom Boden aus im Weltraum verfolgen können“, sagt Heiner Klinkrad, Chef für Weltraumtrümmer bei der europäischen Weltraumorganisation Esa.

Rund 6500 Tonnen Schrott bewegen sich dem Esa-Experten zufolge um die Erde. Trümmer und Gegenstände ab etwa 10 Zentimeter Größe – etwa so groß wie eine Orange – kann das Space Surveillance Network des US-Militärs erfassen und verfolgen. Im Januar 2014 meldete es 16.674 Objekte, davon 9464 Bruchstücke. Bevor China seinen Satelliten absichtlich zerschoss, waren es nur 4699.

„Man geht davon aus, dass die Amerikaner eigentlich rund 22.000 Objekte detektieren“, sagt Manuel Metz vom Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Nicht veröffentlicht würden eigene militärische Objekte und solche, die man nicht zuordnen könne.

Auch sehr kleine Splitter entwickeln im All enorme Zerstörungskraft – denn Gegenstände können mit relativen Geschwindigkeiten um 50.000 Stundenkilometer aufeinander krachen. „Wenn eine Aluminium-Kugel von gerade mal einem Zentimeter Durchmesser so auf einen Satelliten trifft, hat sie die Energie eines Mittelklassewagens, der mit etwa 50 Stundenkilometern in ihn hineinfährt“, sagt Klinkrad. Ein zehn Zentimeter großes Objekt würde einen Satelliten auseinanderreißen.

„Heute treten solche katastrophalen Kollisionen, bei denen ein Satellit zersplittert, im Schnitt alle fünf bis neun Jahre auf“, erklärt Carsten Wiedemann vom Braunschweiger Institut für Luft- und Raumfahrttechnik. Doch das Risiko könnte steigen. Etwa 900 bis 1000 aktive Satelliten kreisen um die Erde – unter anderem halten sie das Telefonnetz am Laufen, helfen bei der Wettervorhersage, verbreiten Fernsehbilder und ermöglichen Navigationsgeräten, ihren Standort zu bestimmen. Sie zu ersetzen, würde nach Esa-Schätzung etwa 100 Milliarden Euro kosten, der wirtschaftliche Schaden wäre noch viel höher.

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