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27.10.2012

10:03 Uhr

Raumfahrt

Europas Griff nach dem Mond

Die erste europäische Mondfähre ist ein technisches Wunderwerk: Sie kann selbstständig fliegen, Hindernissen ausweichen und sich einen sicheren Landeplatz suchen. Fraglich ist aber, ob sie je gebaut wird.

Mondlandung im Labor: Der Lunar Lander im Testlabor des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen. dpa

Mondlandung im Labor: Der Lunar Lander im Testlabor des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen.

BremenDas Raumschiff nähert sich in einer großen Schleife der Mondoberfläche. Noch wenige Sekunden, dann würde es aufsetzen. Doch das ist heute nicht vorgesehen.

Testingenieur Silvio Schröder steht am Rand einer großen Sandkiste im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen, in der Hand eine Steuerkonsole. Er drückt eine Taste, und die Mondfähre verharrt in der Luft. Nur 40 Zentimeter trennen sie vom Erdtrabanten. Bis zur Landung ist es für die Europäer aber noch ein weiter Weg.

Beim Bremer Raumfahrtunternehmen Astrium kann die Zukunft jetzt schon besichtigt werden: eine zylinderförmige Tonne auf vier Beinen, umhüllt mit Solarmodulen und ausgerüstet mit einem Roboterarm. Um die Füße der Sonde wuselt keck ein winziger Rover.

2019 könnten die Europäer damit den Südpol des Mondes erkunden - und zwar ohne Astronauten. Das Raumschiff soll selbstständig fliegen, sich einen geeigneten Landeplatz auf dem unebenen Terrain suchen und diesen zentimetergenau ansteuern können – eine technische Herausforderung, denn wie die Mondoberfläche am Südpol aussieht, ist kaum bekannt.

„Wir haben keine hochauflösenden Karten“, sagt Peter Kyr, Astriums Experte für unbemannte Weltraumerkundung. Diese muss sich die Sonde erst im Anflug erstellen. Unmengen von Daten muss sie dafür innerhalb kurzer Zeit verarbeiten können. 90 Sekunden bleiben ihr, um Kratern, Felsen und Abhängen auszuweichen. Dann soll sie sicher aufsetzen.

Bisher ist der „Lunar Lander“ nur eine Vision, an der Astrium für die Europäische Weltraumagentur Esa arbeitet. Die Technologie haben Kyr und seine Kollegen in ihren Laboren und beim DLR bereits getestet. Jetzt hoffen sie, dass ihr technisches Wunderwerk Wirklichkeit wird.

Kommentare (8)

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heiner

27.10.2012, 10:54 Uhr

....hoffentlich bleibt dieses Wissen in deutscher Hand. Hoffentlich kommt dieses Wissen zum Einsatz. Hoffentlich wird diese Ingenieur-Leistung, wenn sie zum Einsatz kommt, und funktionieren sollte, auch ausreichend gewürdigt, daß es eine deutsche Leistung war. Gehen doch meistens diese Individual-Leistungen, gelenkt durch nachfolgende Neid-Diskussionen unter. Das es dann später heißt, das wäre eine europäische Leistung gewesen unter britischer oder französischer Führung. Dass wir Deutschen uns demütig zu fügen haben, was woanders entschieden und gesagt wird. Haben wir doch soviel Unheil in der Vergangenheit über die Welt gebracht und haben für die nächsten Jahrhunderte dafür zu büßen. Leistung und Geld abzuliefern die Klappe zu halten, und weiter für die anderen da zu sein.

Account gelöscht!

27.10.2012, 13:26 Uhr

Wissen, mein Lieber, gehört immer der ganzen Menschheit. Und was hätten denn ausgerechnet SIE davon, wenn das ganze als "deutsche Leistung" gewürdigt wird? Kommen Sie mal lieber aus ihrer selbst gewählten Opferrolle und dem Denken des 19. Jahrhundert heraus.

Phogel

27.10.2012, 13:57 Uhr

Wissen gehört dem, der es unter Verschluss hält oder das Patent darauf hat. Darum können auch viele billige Malaria-Medikamente nicht produziert werden, weil sie für die Pharmakonzerne keine Gewinne abwerfen. Andererseits kann auch nicht einfach jedes Land selber Atomwaffen bauen. Das Wissen hierzu müssen sie selbst entwickeln oder einkaufen...
Natürlich darf man auch Spionage nicht außer Acht lassen, aber dass das Wissen immer der ganzen Menschheit gehört... halte ich doch für sehr fraglich.

Davon abgesehen: Irgendwer muss die Forschung bezahlen und warum sollte man das machen, wenn es einem selbst keinen Vorteil bringt und jeder das Ergebnis nutzen kann? Das mag vorkommen, aber wenn ess um eine halbe Milliarde geht... ich halte es zumindest für unwahrscheinlich. Ein Teil der gewonnenen Informationen wird man sicher veröffentlichen, ein Teil evtl "tauschen" oder verkaufen... aber nicht allgemein bekannt machen.

Wenn Wissen allen gehört, dann macht es für Deutschland eigentlich keine Sinn auf Forschung zu setzen - dann würden wir den Fortschritt der Welt fördern, aber Deutschland als Standort würde es kaum etwas nutzen.

Zu guter Letzt: Warum sollte man nicht stolz auf die technischen Errungenschaften des eigenen Landes sein und seine Befürchtung äußern, dass jemand anderes die Lorbeeren einheimst?

Übrigens: Was meinen Sie mit "Denken des 19. Jahrhunderts"?
Opferrolle schön und gut, ich glaub nicht, dass man Dtl immer als Opfer sehen muss.^^ Der Zusammenahng zwischen beidem ist mir dennoch nicht klar.

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